BLICK Kneipen-Serie / Teil 5: „ADe!“
Vom Zapfer zum Wirt: Frank Lüttger. Foto: Kirchhoff

BLICK Kneipen-Serie / Teil 5: „ADe!“

Göttingen. Klein und fein, eben für Fans, die Kneipe zu schätzen wissen, sind Wirtshäuser (besser Räume) wie der ehemals Zum Altdeutschen genannte Schankbetrieb in der Prinzenstraße. Jüngeren Anhängern ist die Gaststätte seit etwa 15 Jahren als „ADe!“ bekannt.

Trinken, reden, lachen, weinen, wehmütig ins Glas schauen oder einsam auf die Flaschenwand starren: so geht Kneipe – oder so ähnlich, jedenfalls genau richtig. Und gut, denn das „ADe!“ zählt innerhalb des Walls zu den etablierten Theken-Juwelen, die seit Jahrzehnten keine Gäste verlieren und immer wieder neue gewinnen.

Das Lokal im Erdgeschoss des Mitte des 18. Jahrhunderts gebauten Fachwerkhauses weist nicht viele Quadratmeter auf – daher kann in beiden Gaststuben geraucht werden; daher gibt‘s nichts zu essen; aber auch kein Problem mit einem Happen zwischendurch. „Wer Hunger hat“, sagt Wirt Frank Lüttger, „kann sich gern eine Pizza bestellen oder einen Döner aus der City holen.“ Außerdem ist die Bedienung so zuvorkommend, Salzstangen, Chips und Flipps gratis auf die Tische zu stellen.

„Mit einem Tropfen Herzblut“

Der 49-Jährige hat als studentischer Zapfer begonnen, das „ADe!“ vor 18 Jahren übernommen. „Mit einem Tropfen Herzblut. Das ist heute noch so.“ Lüttger, Team und Gäste mögen Kneipe pur und schnörkellos: gemütlich, schummrig und mit gefüllten Gläsern – aus dem Hahn, der Weinflasche oder aus der langen Longdrink-Liste.
Die Gaststätte sei seit Anfang der 30er-Jahre in Betrieb, sagt der Wirt; bis vor gut 40 Jahren als Speiselokal. Es ist ursprünglich-jung und nicht altmodisch verstaubt oder schlimmer, wie manch durstiger Passant vor 15 Jahren in Verdachtsmomenten gemutmaßt habe: „Diese Leute haben mir erzählt, dass der Name Zum Altdeutschen nach Spelunke oder sogar rechts geklungen habe. Dabei sind wir hier eher unpolitisch, und wenn schon, dann eher links.“

Die Skeptiker waren nach ungestörtem Genuss in vollen Zügen schnell vom Gegenteil überzeugt und kamen natürlich wieder. Trotzdem hat Lüttger 2001/02 den Spitznamen zum Begriff gemacht. „ADe!“ bedeute hier jedoch willkommen und nicht gleich tschüß. Die Gäste sind zwischen 20 und 70 Jahren alt. Das Team begrüßt vor allem Stammpublikum – „im Schnitt um die 40 Jahre alt. Manche sind seit mehr als 30 Jahren bei uns.“
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Authored by: Stefan Kirchhoff

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