BLICK-Serie über Göttingens Kneipenkultur / Teil 2: Das Trou
Einsatz für Geselligkeit im Gewölbekeller: Michael Paul. Foto: Hartwig

BLICK-Serie über Göttingens Kneipenkultur / Teil 2: Das Trou

Göttingen. 1962 wagten sich zehn Studenten unter Tage, um ein Refugium für Gleichgesinnte einzurichten – eine Art alternatives Zentrum zum Durstlöschen und Quatschen. Die Idee hat sich durchgesetzt: Der Abstieg führte zum Aufstieg.

1961, so der geschäftsführende Zapfer Michael Paul, waren etwas lauter sprechende junge Leute in der eher dürftigen Lokal-Szene ungern gesehen. Die Zehn gründeten den Verein Studentenkreis, gingen auf die Suche und wurden ein Jahr später in der Burgstraße 20 fündig. Hier standen sie scheinbar am Rande des Abgrunds und – ließen sich bedenkenlos fallen. Kein Zweifel: Die zu investierenden Scheine würden nicht nutzlos im Plumpsklo des Gewölbekellers aus dem 14. und 15. Jahrhundert verschwinden, erinnert Paul an die damalige Vorfreude.

„Es ging von Anfang an darum, einen Treffpunkt zu haben, an dem man in Ruhe sein Bier trinken konnte; und nicht um Gewinnmaximierung.“ So sei es bis heute geblieben. Diese Devise hat der Mittdreißiger von Mit-Gründer Conrad (Jahrgang 1937) übernommen, der nicht mehr im „operativen Geschäft“ aktiv, aber täglich mit der „Pflege des Inventars“ beschäftigt ist. Vor der Tür steht auf einem Plakat geschrieben: „Wenn der Mensch ein Loch sieht, hat er das Bestreben es zu füllen“ – der Spruch stammt von Kurt Tucholsky, hätte auch von Conrad sein können. Der Wille, aus dem Loch (französisch: le trou; mit hartem r) etwas zu machen war stark und dauerhaft.

Nach der einzigen Eskapade (erfolgloser Discobetrieb von 1969 bis 76) kehrte das Team unter Conrads Führung zurück in die Zukunft und etablierte das Trou als Institution. Heute zählt der Getränke-Keller zu den ältesten „zeitlos jungen“ (www.trou.de) Kneipen der Stadt. Bis zu 120 Gäste bedient das Team vor der Theke, im mittleren Bereich und im hinteren Raucherraum. Sie nehmen auf Holzbänken Platz, stellen ihre Getränke im Kerzenschein auf Holzfässern aus den 50-ern und auf ebenso alten Holztischen ab – durchgängig unter von Rauch geschwärztem Gewölbe. Ein ausgeklügeltes Ventilatorsystem entsorgt Dunst und führt Frischluft zu.

Die Musik klingt leise, der Geräuschpegel ist je nach Gästezahl hoch – also meistens; erst recht, wenn‘s später wird. Das Publikum ist längst nicht mehr nur, aber hauptsächlich studentisch – und da ehemalige Kommilitonen von ihrem Trou nicht lassen können: Generationen übergreifend.
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Authored by: Stefan Kirchhoff

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