Friedländer Gespräche über Ausstellung und künftiges Führungskonzept
Das Museum Friedland soll noch weiter wachsen. Foto: Riese

Friedländer Gespräche über Ausstellung und künftiges Führungskonzept

Friedland. Vor einem halben Jahr öffnete das Museum Friedland – Zeit für ein erstes Zwischenfazit. Die vierte Auflage der Friedländer Gespräche hatte daher den „Fluchtpunkt Museum“ im Visier.

Er ziehe eine „positive Zwischenbilanz der Fachleute“, sagte Kurator Joachim Baur zur Halbzeit der Tagung vor Journalisten. Das Konzept des Museums habe „nach lebhafter, niveauvoller Diskussion viel Zuspruch erfahren“. Friedland sei ein ausgewiesen günstiger Ort, um Fragen der Migration und Flucht nicht nur aufgeregt auf den Straßen, sondern im geschützten Raum der Museen zu diskutieren. Dadurch habe das Museum Friedland Pilotcharakter. Allerdings: So viel Zuspruch die museale Darstellung der Geschichte des Lagers auch von den Experten bekam, das Führungskonzeptxx  hat nach Auffassung von Sabine Hess, Professorin der Universität Göttingen, noch Schwächen. Da würde mal ein Bewohner Friedlands mit der Perspektive des Einheimischen führen, mal ein Flüchtling mit der Perspektive des Betroffenen, mal ein historisch Interessierter mit dem Blick auf Friedland als Spätaussiedler- oder Heimkehrer-Ziel. Dies funktioniere nicht, so Sabine Hess. Es müsse vielmehr gelingen, in Führungen die verschiedenen Perspektiven deutlich zu machen.
Baur will genau das – und mehr: Friedland als Ort fachlicher und gesellschaftli-xx cher Debatte über Mi-gration, aber auch als Museum, das kontinuier-x lich über sich selbst nachdenkt. Neuerdings hilft dabei eine festangestellte Museumspädagogin. Auch das Niedersächsische Innenministerium, erklärt Frank Frühling, helfe mit und wolle möglichst viele Verbindungen schaffen, ehe das Museum 2017 in eine Stiftung übergehen werde. Mehr als 300 Schulen der Region wurden angeschrieben, um das Museum als außerschulischen Lernort anzubieten. Auch mit den Kirchen werde Kontakt gesucht, etwa, um Konfirmandengruppen ins Museum zu holen. Die museumspädagogischen Angebote dafür müssen noch erstellt werden. Auch das Netzwerk aus Museen und Gedenkstätten in der Mitte Deutschlands sei ein Thema. Denn noch gibt es kaum Gäste, die den Friedland-Besuch mit einem Besuch der Gedenkstätte Mittelbau Dora bei Nordhausen, der KZ-Gedenkstätte Moringen oder dem Grenzlandmuseum Teistungen verbinden. Das aber soll ausgebaut werden, sagt Baur. Historisch interessierten Gruppen könnte dann das Angebot mehrerer Museumsbesuche in Verbindung mit kulturellen und gastronomischen Zielen gemacht werden. Mit diesem Netzwerk stehe man allerdings noch am Anfang. ck

Authored by: Blick Redaktion