Bienvenue à Paris

Bienvenue à Paris

Jeder Anfang ist bekanntlich schwer…

Wie ich bereits im gedruckten BLICK (Ausgabe vom 5. Oktober 2016)  berichtet habe, hatte ich eine sehr turbulente Anreise. Beginnen wir mal ganz am Anfang. Zurück in Deutschland mussten noch die einen oder anderen Vorbereitungen getroffen werden. Ich saß nachmittags mit meinem Papa draußen (da war es noch warm) und habe Tische und Stühle auseinander geschraubt, damit sie alle ins Auto passen. Danach habe ich Klamotten rausgesucht, hauptsächlich bequeme Sachen, denn ein Schauspielstudium bedeutet in erster Linie viel Bewegung. Schuhe, Bücher, Hefte, Kissen, Teller, Pfannen… was man eben so braucht. Am Ende war mein kleiner Twingo bis zum absoluten Limit voll mit meinen Sachen – hier und da ließen sich noch ein Paar Socken  reinstopfen – siehe Foto.

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Da so eine achtstündige Fahrt mit dem Auto nicht ohne ist, sind wir morgens noch schnell zum Durchchecken in die Werkstatt gefahren. Mein Onkel Karsten arbeitet dort und hat mir das Wichtigste erklärt, damit ich auch ja keine Probleme kriege auf meiner Fahrt nach Paris. Ich war nämlich sehr aufgeregt, muss ich gestehen.

Die letzten Vorbereitungen wurden getroffen. Motoröl, Ersatzlampe etc. alles im Gepäck. So konnte es dann endlich mit dem kleinen lilafarbenen Franzosen nach Paris gehen.

Die letzten Vorbereitungen wurden getroffen. Motoröl, Ersatzlampe etc. – alles im Gepäck. So konnte es dann endlich mit dem kleinen lilafarbenen Franzosen nach Paris gehen.

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Das Auto war „Fit for Paris“, und ich war es auch. Also konnte es losgehen. Ein Freund von mir, Moritz, fuhr netterweise mit, und so musste ich die ganze Strecke nicht alleine fahren. Besonders den Teil am Ende, wo es dann wirklich durch Paris ging, bis zum Ponte des Lilas, wo sich die Cité Internationale Universitaire de Paris befindet. Hier wohne ich nämlich!

Das mit dem Autofahren in Paris muss ich allerdings noch mal konkretisieren, denn das ist für jeden, der es noch nicht am eigenen Leib erfahren hat, eine echte Überraschung. In Paris ist fast 24/7 Rush Hour, das heißt die Menschen drängeln auf den Straßen, es wird gehupt, geschimpft um im schlimmsten Fall übrigens nicht der Mittelfinger gezeigt, sondern Daumen und Zeigefinger. Die haben nämlich eine andere Geste hier, um absolute Verärgerung auszudrücken (auf ein Foto verzichte ich an dieser Stelle). Es gibt hier zwar Vorfahrtsregeln, aber es hält sich keiner dran, genauso wie es zwar gedachte Spuren auf den Straßen gibt, welche aber auch kein normaler Autofahrer einhält (besonders nicht die mit der 75 auf dem Kennzeichen: Das sind die waschechten Pariser). Warum auch? Die Straßenmarkierungen fehlen sowieso, und es passen ja auch zwei Autos auf eine Spur nebeneinander. Zwischen den Autos rasen dann noch gut ein Dutzend Motorradfahrer hindurch, als wäre der Teufel hinter ihnen her. Merkwürdigerweise passieren aber kaum Autounfälle, habe ich mir sagen lassen. Es scheint wohl so als würden die Pariser, trotz objektiv betrachtetem Totalchaos, genau wissen was sie tun. Mein Pariser Freund Jean-Philippe pflegt zu sagen: „Es ist wie eine einstudierte Choreographie, jeder kennt seinen Platz“. Beim Parken ist das eine andere Sache. Solltet ihr jemals mit dem Auto in Paris sein, parkt möglichst nie am Straßenrand, sondern immer in Parkhäusern. Draußen an der Straße gibt es wirklich keine Regeln. Es wird auf dem Zebrastreifen geparkt, vor der Einfahrt eines Supermarktes, mitten auf der Straße und im schlimmsten Fall einfach Warnblinker an und das Auto irgendwo stehen lassen, wo sich noch Platz findet. Die Pariser schieben den Vordermann auch gerne ein Stück nach vorne, um sich selbst mehr Platz beim Einparken zu verschaffen. Also um Himmelswillen niemals die Handbremse anziehen, damit rechnet hier nämlich keiner. Es ist also kein Wunder, dass die Autos hier alle zerbeult, zerkratzt und völlig demoliert sind.

Wie ihr bestimmt schon im BLICK gelesen habt, muss man am Cours Florent am Anfang Prüfungen ablegen, die dazu gedacht sind, die Schüler in ein bestimmtes Level einzustufen. Nicht zu verwechseln mit der Aufnahmeprüfung, die man zuerst bestehen muss. Ich musste diese Prüfungen in Französisch, Deutsch und Englisch ablegen, da ich ja auch in allen drei Sprachen studiere.

Das war schon sehr aufregend. So eine Prüfung besteht meist aus einem ausgewählten Monolog und einem Part Libre, wo man selbst kreativ werden soll und entweder ein Gedicht vorträgt, etwas singt, tanzt etc… den Möglichkeiten sind hier keine Grenzen gesetzt. Wobei es sollte schon etwas Künstlerisches sein. Mit einer Mikrowelle zu kommen und zu demonstrieren wie gut man Popcorn machen kann, zählt wohl nicht.

Ich habe also meinen Monolog vorbereitet und zudem ein Medley aus selbstgeschriebenen Liedern vorgetragen. Danach bekommt man ein kurzes Feedback. Hier werden einem Punkte mitgeteilt, an welchen man bis Januar arbeiten soll. Im Januar ist nämlich die große Zwischenprüfung, und da kommt es vor allem auf eine Sache an: Sie wollen Progress (Fortschritte) sehen. Die Prüfungen liefen gut, ich war es ja auch schon aus Deutschland gewöhnt. Trotzdem packt einen kurz vorher dann doch noch mal das Lampenfieber, aber das ist auch gut so, sonst würde es nämlich bedeuten, dass man die ganze Sache nicht ernst genug nimmt.

Einer meiner Monologe, die ich für die „Einstufungs-Prüfungen“ vorbereiten musste. (Auszug aus: Love is a Time of Day, von John Patrick)

Einer meiner Monologe, die ich für die „Einstufungs-Prüfungen“ vorbereiten musste. (Auszug aus: Love is a Time of Day, von John Patrick)

Nach den Prüfungen gilt es, auf das Ergebnis zu warten – und natürlich auf den eigentlichen Stundenplan. Dazu komm ich später…

Ein sehr spannender Tag für alle ist nämlich der Orientation Day. Man kann ihn ein wenig mit der O-Phase in Göttingen vergleichen (mit der Ausnahme, dass es nur ein Tag ist und nicht so viel Bier getrunken wird). Man lernt seine Lehrer kennen, den Schulleiter, seine Kommilitonen und erhält einen Einblick in die gesamte Institution.

„Bienvenue à Cours Florent l‘étudiants”, wurden wir gleich vom Schulleiter begrüßt. Ich hatte im BLICK ja schon erwähnt, wie viele unterschiedliche Nationalitäten aufeinander treffen. Das ist wirklich toll. Die meisten sind in meinem Alter, ein wenig älter vielleicht. Wenn ich jetzt eine Liste machen sollte, von wo auf der Welt alle herkommen… puhh, die wäre ganz schön lang. Ich stelle sie Euch ein anders Mal vor. Es sei nur so viel gesagt: Wir haben als Kennlernspiel unter anderem gespielt, dass wir ohne Worte die Weltkarte auf der Bühne darstellen sollten. Das heißt, jeder musste sich dort positionieren, wo das Land, aus welchem er stammt, auf der Karte wäre. Die Bühne war voll und es war ziemlich chaotisch. Deutschland war mit genau einen Mann vertreten… korrigiere: einer Frau, nämlich mit mir.

Das war’s erst mal… mehr zu Allem später.

Salut!

Rosanne Gianna