Bund finanziert zusätzliches Personal im Kreis Göttingen
Eine der teilnehmenden Kitas : Das Elisabeth-Heimpel-Haus. Foto: Pförtner

Bund finanziert zusätzliches Personal im Kreis Göttingen

Göttingen. Die Zahlen sind alarmierend: Von 66 000 Kindern, die 2014 vor ihrer Einschulung in Niedersachsen untersucht wurden, seien 39 Prozent in ihrer Sprachfähigkeit auffällig gewesen, zitierte der Schul- und Jugenddezernent des Kreises, Marcel Riethig (SPD), aus einer Erhebung des Landes zur Schuleingangsuntersuchung.

15 Prozent seien in sprachtherapeutischer Behandlung gewesen. Längst sei belegt, dass Kinder aus bildungsfernen Familien häufiger Sprach- und Lerndefizite haben – „und das betrifft nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund“, so Riethig. Vor diesem Hintergrund habe die Bundesregierung erkannt, wie wichtig es sei, Kinder schon in sehr frühem Alter bei ihrer Sprachentwicklung zu fördern – „und engagiert sich inzwischen ordentlich“, sagte Riethig. 400 Millionen Euro stellt das Familienministerium für das Programm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ von 2016 bis 2019 zur Verfügung. Viele der gut 200 Kindergärten im neuen Landkreis Göttingen inklusive Kernstadt haben sich beworben. 16 Einrichtungen mit einem „überdurchschnittlich hohen Anteil an Kindern mit besonderem Bedarf“ wurden ausgewählt, erklärte Monika Hülskemper, Koordinatorin des Verbundes beim Landkreis Göttingen.
An allen teilnehmenden Schulen unterstützen inzwischen Sprach-Fachkräfte mit einer halben Personalstelle die Erzieher bei ihrer Arbeit – in enger Kooperation mit der jeweiligen Schulleitung als Tandem-Partner. „Und wir merken immer wieder, wie gut es ist für die Kinder“, berichtete Gisela Risto, Leiterin der St.-Blasius-Kita in Hann. Münden. Die Fachberaterinnen seien ausgebildete Erzieherinnen mit besonderer Fortbildung, ergänzte Monika Hülskemper. Ihre Arbeit in den Kitas gehe weit über eine individuelle Sprachförderung mit Kindern hinaus: „Sie sollen vor allem dem jeweiligen Erzieher-Team beratend zur Seite stehen und sie für den richtigen Blick auf eine ganzheitliche Sprachbildung der Kinder sensibilisieren.“ Dabei sei es wichtig, dass sie sich auf das jeweilige Konzept der Einrichtung einstellen.
Im Kita-Alltag gebe es viele Möglichkeiten, um Kinder zu fördern. „Wir schaffen gezielt Gesprächsanlässe oder nutzen Spielsituationen“, beschrieb Fachberaterin Eva Kruse (Kita Jona-Gemeinde) einen Aufgabenbereich. Andere organisieren Lerngruppen. Viele setzen auf eine starke Einbindung der Eltern – besonders bei Kindern mit Migrationshintergrund, erklärte Verena Neumann, Leiterin des Paritätischen Kindergartens Grone. 2019 läuft das Programm aus, zurzeit läuft die Auswahl für eine weitere Runde ab 2017. Alle Beteiligten sind überzeugt, dass es langfristig „irgendwie weitergehen muss“, so Riethig. Entscheidend sei eine bessere Personalausstattung aller Kitas, forderten mehrere Erzieherinnen. 16 Kindergärten und Kitas nehmen in der aktuellen Runde an dem Programm teil. In Göttingen sind das die Kitas der Kirchengemeinden Bethlehem, Jona, Thomas und Petri, das Elisabeth-Heimpel-Haus, die Kita Grone und Pfalz-Grona-Breite und der Paritätische Kindergarten Grone. Hinzu kommen Einrichtungen in Rosdorf, Duderstadt, Osterode, Herzberg, und Hann. Münden. us

Authored by: Maren Iben