Wie „vital“ ist die Göttinger City?
Bestens besucht: Live-Konzerte auf diversen Bühnen (wie hier am Wochenmarktplatz) beim Göttinger Altstadtfest.Foto: Archiv

Wie „vital“ ist die Göttinger City?

Göttingen. Mit der Gesamtnote 2,5 hat Göttingen im Vergleich von 121 Städten bundesweit „überdurchschnittlich gut“ abgeschnitten. Grundlage ist die zweite Studie „Vitale Innenstädte“, deren Ergebnisse jetzt vorgestellt wurden.

Mit 2,5 liege Göttingen in der aktuellen Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) aus Köln „über dem Gesamtdurchschnitt von 2,7, den die Städte in der aktuellen Befragung von ihren Kunden bekamen“, hieß es bei der Vorstellung der Ergebnisse durch den Handelsverband Hannover (HVH), Pro City und die Stadt Göttingen.
Pro-City-Geschäftsführerin Frederike Breyer sieht trotz der positiven Gesamtwertung Verbesserungsbedarf. Schlechte Bewertungen gab es insbesondere bei der Erreichbarkeit mit dem Pkw (Note 3,2) und bei der Ausschilderung der Parkmöglichkeiten (Note 4). Überrascht davon, wie wenig Besucher etwa aus Nörten-Hardenberg oder Northeim nach Göttingen kommen, zeigte sich der HVH-Kreisverbandsvorsitzende Alexander Grosse. Angelika Daamen („Göttingen Tourismus“) forderte mehr Plätze für Reisebusse in Wallnähe; CDU-Ratsherr Hans Otto Arnold regte ein dynamisches Parkleitsystem an.

Bei der Vorstellung der Studie „Vitale Innenstädte“ wurde auch darüber diskutiert, wie Göttingen im digitalen Zeitalter attraktiver werden kann. Fast zeitgleich haben viele User im Netz signalisiert, wie sie die City attraktiver machen würden – mit einer Neuauflage des Altstadtfestes. Innerhalb weniger Tage haben die Initiatoren Daniel Schirmer und Jacqueline Metge mehr als 2000 Menschen dazu bewegt, eine Online-Petition für eine Wiederbelebung des Festes zu unterzeichnen, darunter mehr als 1500 aus Göttingen selbst. Bald soll der Rat der Stadt um eine Stellungnahme gebeten werden. „Das hat, so gut es gemeint ist, zunächst einmal überhaupt keine Folgen“, erklärt Detlef Johannson, Sprecher der Göttinger Stadtverwaltung. Petitionen in elektronischer Form seien laut Niedersächsischer Kommunalverfassung unzulässig. Der Rat könne die „Übergabe“ zwar zur Kenntnis nehmen: das allein löse aber überhaupt nichts aus, so Johannson weiter.

Eines haben die Petition und die Reaktionen darauf aber gezeigt: Nach Ansicht vieler Göttinger hat das Altstadtfest offenbar ganz erheblich zur Attraktivität Göttingens beigetragen. Zu dieser Attraktivität gehören auch verkaufsoffene Sonntage – deren Ende jetzt bevorstehen könnte. Denn:  Nach einem Gesetzentwurf der Landesregierung wird künftig für jeden verkaufsoffenen Sonntag ein „angemessener Anlass“ gefordert. Dieser müsste einen größeren Besucherstrom auslösen als die Öffnung der Geschäfte selbst.  Guido Langemann, Handelsexperte der IHK Hannover, sieht in dieser Forderung eine große Gefahr für die Zukunft verkaufsoffener Sonntage: „Wenn künftig ein Anlass gefunden werden muss, der mehr Gäste anlockt als das pure Shopping-erlebnis, dann werden selbst hochwertige Traditionsveranstaltungen auf der Kippe stehen.“ be / wes / mr

Sind Parkplätze das Problem?
Kommentar von Markus Riese, BLICK-Chefredakteur
60 000 Menschen haben sich bundesweit an den Umfragen über „Vitale Innenstädte“ beteiligt. In Göttingen fanden die Interviewer keine 300 Probanden, aber auch diese sorgten bereits für so manchen Aha-Effekt. Dass sich unter Göttingens Innenstadtbesuchern sehr viele Radfahrer befinden (29,4 Prozent, Bundesdurchschnitt 13,8 Prozent), wird kaum jemanden überraschen. Dass es in der City überdurchschnittlich viele Parkplätze gibt, vielleicht schon eher – nämlich genau 5544. Vergleichbar große Städte haben im Mittel rund 1000 Innenstadt-Stellplätze weniger zur Verfügung. Allerdings haben vier von fünf Städten dieser Größe auch ein funktionierendes Parkleitsystem. Möglicherweise braucht Göttingen also gar nicht die immer wieder geforderten zusätzlichen Parkplätze, sondern einfach nur ein vernünftiges Steuerungsinstrument für die vorhandenen. Und wenn diese dann sinnvoll ausgelastet werden, könnten auch gleich die Parkgebühren sinken – die sind im Vergleich mit 1,50 Euro pro Stunde nämlich ebenfalls höher als der „Ortsgrößendurchschnitt“ (1,29 Euro). Auch so etwas kann die Attraktivität einer Innenstadt beeinflussen. Und von der Attraktivität wird letztlich auch abhängen, ob sich Göttingen langfristig im Wettbewerb behaupten kann.

Authored by: Blick Redaktion