Waageplatz: Hostelpläne für ehemaliges Gefängnis / Sechs Millionen Euro Kosten
Sollten die EU-Mittel Ende des Jahres fließen, wartet eine Menge Arbeit auf (v.l.) Dietmar Linne, Maik Bachmann und Andreas Gartemann. Foto: Brakemeier

Waageplatz: Hostelpläne für ehemaliges Gefängnis / Sechs Millionen Euro Kosten

Göttingen. Im alten Gefängnis am Waageplatz soll ein Hostel entstehen. Gleichzeitig soll das Viertel am Leinekanal aufgewertet werden. Der Förderantrag auf EU-Mittel ist gestellt. Projektplaner sind Dietmar Linne, Vorstand der Beschäftigungsförderung, und sein Team.

Gangfluchten, vergitterte Fen-ster, schwere Metalltüren, sechs Quadratmeter große Zellen mit kleinen, weit oben liegenden Fenstern: Dass das ehemalige Gefängnis am Waageplatz bald Touristen beherbergen könnte, scheint ein kühner Plan. Der Putz bröckelt, Heizungskörper sind geplatzt, hier und da wird ein Wasserschaden sichtbar. Die gute Nachricht: „Das Gebäude ist sanierbar“, sagt Dietmar Linne. Und das, obwohl der klassizistische Bau seit neun Jahren weitgehend ungenutzt leer steht, von jeglicher Versorgung mit Strom, Wasser und Gas getrennt. „Die Grundsubstanz des Gebäudes ist gut“, betont Maik Bachmann vom Gebäudemanagement der Beschäftigungsförderung. Wenn saniert werde, dann komplett, inklusive neuer Haustechnik und Sanitärbereichen. Die Geschichte das Hauses als Gefängnis soll aber sichtbar bleiben.

Dickster Brocken bei den kalkulierten Sanierungskosten ist das mehr als 1000 Quadratmeter große Dach. Eine Million Euro haben Linne und sein Team veranschlagt. Auf dem Dachboden, schwärmt Linne, könnten Räume für Ausstellungen entstehen. Denn außer den rund 100 Schlafplätzen in den Hostelzimmern soll in dem Gebäude, das nach Linnes Angaben rund 1600 Quadratmeter Nutzfläche bietet, auch ein Kultur- und Beratungszentrum entstehen. Partner seien hier, so die Konzeptbeschreibung, das Migrationszentrum der Diakonie und die Beschäftigungsförderung. Nicht nur sollen Geflüchtete bei dem Betrieb des Hostel mithelfen. Sie sollen bereits, so Linne, bei der Sanierung des Gebäudes mitarbeiten. 50 Prozent der Arbeiten, so Linne, übernimmt die Beschäftigungsförderung, die andere Hälfte soll an regionale Handwerksbetriebe vergeben werden.  Bis zu fünf Millionen Euro könnten bei Erfolg des Förderantrages zwischen 2018 und 2020 nach Göttingen fließen, von der Stadt mit einer Million Euro kofinanziert. Zum Konzept gehört auch die spätere Umgestaltung des Waageplatzes. Ein Spielplatz, Gastronomie und eine Sanierung des Platzes schweben Linne vor. Anwohner sind skeptisch: Das Bürgerforum Waageplatz-Viertel meint, dass ein Hostel gar nicht den Bedürfnissen des Viertels entspräche. Eine große Befürchtung der Nachbarn: Durch das Hostel kommt mehr Lärm ins Viertel. Linne sichert ihnen Gespräche zu und kündigt eine öffentliche Informationsveranstaltung an.  mib

Authored by: Blick Redaktion