Prävention im BLICK (Teil 6): Welt-Hepatitis-Tag
Dr. Thomas Suermann.

Prävention im BLICK (Teil 6): Welt-Hepatitis-Tag

Am 28. Juli 2017 findet der Welt-Hepatitis-Tag statt. Er verfolgt das Ziel der globalen Sensibilisierung der Bevölkerung zum Thema Hepatitis und zur Ermutigung von Prävention, Diagnose und Behandlung. Hepatitis steht für Leberentzündung. Hierbei handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Leber, die zu einer Schädigung der Leberzellen und zu Störungen der Organfunktion führt. Sie wird durch verschiedene  Hepatitis-Viren hervorgerufen, die jeweils mit A, B, C, D oder E bezeichnet werden.  

Die Hepatitis A wird durch kontaminierte Nahrungsmittel und verseuchtes Wasser (Muscheln, Austern) oder auch Kontaktinfektion (z.B. auf Toiletten) übertragen. Sie tritt in Deutschland meist als importierte Erkrankung vorwiegend nach Aufenthalten in Asien, Afrika und Südamerika auf. Sie verläuft meistens wie ein akuter Magen-Darm-Infekt, überwiegend ohne Gelbsucht. Die Erkrankung heilt fast immer aus und wird auch  nicht chronisch. Durch präventive Impfungen kommt die Hepatitis A in Deutschland heute nur noch selten vor (laut Robert-Koch-Institut 2016: 732 Fälle).

Infektionen mit Hepatitis B- und C-Viren sind weltweit die achthäufigste Todesursache: Jedes Jahr sterben 1,5 Millionen Menschen daran.

Auch in Deutschland sind Hepatitis B und Hepatitis C weit verbreitet. Sowohl Hepatitis B als auch Hepatitis C betreffen jeweils Hunderttausende von Menschen. Wie viele es wirklich sind, weiß keiner genau. Das Robert-Koch-Institut in Berlin schätzt die Zahl auf 400 000 bis 500 000 betreffend Hepatitis B und eine ähnlich hohe Zahl für Hepatitis C. Eine erschreckend hohe Zahl, weiß man heute doch, wie man die Erkrankungen verhindern kann (Hepatitis B) oder auch heilen kann (Hepatitis C). Die Viren werden insbesondere über Blut und Sperma übertragen. Bei einer hohen Erregeranzahl im Blut (sog. Virämie) können u.a. auch Speichel, Samenflüssigkeit, Vaginalsekret, Muttermilch und Tränenflüssigkeit infektiös sein.

Was viele immer noch nicht wissen: Gegen Hepatitis B kann und müsste man schon im jungen Alter impfen und allein dadurch die Krankheit ausrotten, so wie es in Deutschland gegen Pocken oder Kinderlähmung gelungen ist. Die Impfraten sind jedoch immer noch viel zu niedrig. Das Gefährliche an der Hepatitis B ist, dass sie hochinfektiös ist: ein Tropfen infektiöses Blut kann eine ganze Badewanne infizieren! Das zweite Problem ist, dass die Infektion mit Hepatitis B-Viren häufig ganz harmlos abläuft, wie ein Magen-Darm-Infekt, das heißt, die Erkrankung wird erst gar nicht bemerkt und entdeckt. Trotzdem sind die Patienten infektiös und bleiben es in vielen Fällen, auch wenn sie sich wieder gesund fühlen! Beim Geschlechtsverkehr werden die Hepatitis-Viren in noch viel höherem Maße als als bei AIDS-Infektion übertragen. Sicher ist der Geschlechtsverkehr die häufigste Ursache für eine Hepatitis B, aber schon das gemeinsame Benutzen von Zahnbürsten, Nagelscheren etc. kann zur Infektion führen. Das gilt natürlich auch für Tätowierungen, wenn nicht sterile Einmalartikel verwendet werden. Die Lösung aller Probleme aber ist die Impfung.

Zur Hepatitis C: Hier ist die Situation etwas anders. Es gibt nämlich gegen Hepatitis C bisher keinen Impfstoff! Und: die Hepatitis C wird in viel höherem Maße chronisch (bis zu 80 %) als dies bei Hepatitis B der Fall ist. Da auch die Hepatitis C ähnlich wie die Hepatitis B häufig inapparent (ohne wesentliche Erkrankungszeichen) verläuft, ist auch hier die Dunkelziffer (man weiß nicht, dass man infiziert ist) hoch. Früher kam es in erster Linie durch „unsaubere“ Bluttransfusionen zur Infektion, heute ist dies ausgeschlossen. Ursachen heute sind z.B. gemeinsames Benutzen von Spritzbestecken in der Drogenszene, unsaubere Nadeln beim Piercen oder Tätowieren, riskante Sexualpraktiken. Chronische Leberentzündungen führen in hohem Maße zur Leber-Zirrhose und zum Leberkrebs. Aber auch bei der Hepatitis C gibt es eine gute Botschaft: Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland Medikamente, die die Hepatitis C zum Ausheilen bringen!

Die Hepatitis D wird durch das Hepatitis-D-Virus hervorgerufen (HDV), das nur gemeinsam mit dem Hepatitis-B-Virus existieren kann.

Mit dem Hepatitis D-Virus sind weltweit rund zehn Millionen Menschen infiziert. Sie ist weit verbreitet in Teilen Afrikas, Südamerikas, Asiens und Ost- und Südosteuropas. In Deutschland rechnet man mit ca. 30.000 – 50.000 Betroffenen. Die chronische Hepatitis D ist die schwerwiegendste aller Virushepatitis-Erkrankungen. Immerhin können etwa 25% der Erkrankten – so das Kompetenznetz Hepatitis – erfolgreich behandelt werden.

Hepatitis E ist die häufigste akute Hepatitis in einigen Ländern Asiens und Afrikas, zum Beispiel in Indien und im Sudan. Die Übertragung erfolgt wie bei der Hepatitis A über kontaminierte Nahrungsmittel und verseuchtes Wasser. Während der Regenzeiten kann sich Hepatitis E in den betroffenen Ländern deshalb zu einer Epidemie entwickeln. In Deutschland kommt Hepatitis E nur vereinzelt vor, meist als Folge einer importierten Erkrankung.

Das diesjährige Moto des Welt-Hepatitis-Tages heißt: „Hepatitis eliminieren“. Jedoch: Wer nichts von seiner Infektion weiß, hat keine Chance, diese zu behandeln – und kann unwissentlich die Infektion an andere weitergeben. Hier schafft ein Test beim Hausarzt schnell Klarheit.

Dr. Thomas Suermann,
Präventionsbeauftragter

Authored by: Markus Riese