Prävention im BLICK, Teil 6: Joggen und das Betäubungsmittelgesetz
Regelmäßig Joggen macht Spaß und unterstützt die Gesundheit. Foto: r

Prävention im BLICK, Teil 6: Joggen und das Betäubungsmittelgesetz

Der ehemalige deutsche Außenminister und Gelegenheitsmarathonläufer Joschka Fischer äußerte sich einmal über seine Joggingleidenschaft so: „Ich hätte nie gedacht, mit dem Joggen so elegant das deutsche Betäubungsmittelgesetz umgehen zu können!“

Der Grund für diese Äußerung ist schnell gefunden: Durch das Laufen werden nach einer gewissen Zeit beim Menschen so genannte Endorphine (auch als Glückshormone bezeichnet) freigesetzt. Diese Endorphine haben Morphium-ähnliche Wirkung, sind also praktisch körpereigene Drogen und versetzen den Läufer in ein gewisses Stimmungshoch, im Englischen auch „runner’s high“ genannt.  Diesen „zweiten Wind“ bekommen die Jogger jedoch  erst nach zwei bis drei Stunden Laufzeit und sollte nun nicht vordergründig für Sie der Anlass sein,  Jogger zu werden. Regelmäßiges Laufen besonders in der Natur bietet Ihnen eine ganze Reihe von Vorteilen, auch wenn Sie nur eine halbe Stunde laufen:

Stressabbau, Muskelaufbau, Fettabbau, Gewichtsreduktion, Blutdrucksenkung,  bessere Insulinwirkung (Verminderung der Insulinresistenz), Senkung der Blutfette, Krebsprävention, Herzinfarktprävention, Demenzprävention,  Zunahme  der Hirndurchblutung um über 100%. Die besten Ideen und Einfälle kommen Ihnen während des Laufens. Studien haben ergeben, dass regelmäßiges Laufen antidepressiv wirkt, Patienten mit Depressionen deutlich  weniger Medikamente brauchten. Mit regelmäßigem Laufen erhöhen Sie Ihre Fitness und Ihr Wohlbefinden: Sie sind einfach besser “drauf“, werden mit Belastungen im Beruf oder im privaten Bereich besser fertig. Joggen ist Gesundheitsförderung pur.

Was muss ich nun beachten, wenn ich mich für regelmäßiges Laufen entscheide? Das wichtigste sind zunächst die Laufschuhe : Sparen Sie nicht beim Kauf der Schuhe. Falsche oder schlechte Schuhe führen schnell zu Gelenkbeschwerden und Rückenschmerzen. Bevorzugen Sie zum Laufen Waldböden: sie sind  weicher und Gelenk schonender. Beim Asphaltlaufen benötigen Sie besonders gut abfedernde Schuhe (manche Sportschuhfirmen werben schon mit dem „Waldboden im Sportschuh“).  Wichtig ist auch eine witterungsangepasste Sportkleidung, in der der Schweiß nach außen abgeleitet wird (nicht geeignet Baumwolle, die den Schweiß am Körper hält).  Wenn Sie sich zum Joggen entschlossen haben, starten Sie mit kleinen Einheiten. „Laufen ohne zu schnaufen“ sollte ihr Ziel sein, denn dann laufen Sie im so genannten „aeroben Bereich“,  d.h. Sie gewinnen Ihre notwendige Energie mit Hilfe von Sauerstoff  und nicht über die Bildung von Laktaten (Milchsäure) im Blut, die Sie schnell „versauern“ lassen. Hilfreich können dabei auch Pulsuhren sein, die Ihnen die Trainingsherzfrequenz ausrechnen und anzeigen. Wenn Sie über 40 Jahre alt sind, sollten Sie sich auf jeden Fall vor Aufnahme des Sports einer gründlichen sportärztlichen Untersuchung unterziehen (mit Belastungs-EKG, ggf. auch Ultraschall des Herzens). In einer Studie hat man festgestellt, dass fast die Hälfte der Jogger im anaeroben Bereich läuft, das heißt mit einem erhöhten Laktatspiegel im Blut. Das wiederum kann für Ihre Gesundheit schädlich sein!

Kommen wir auf die Titelfragestellung zurück: „Was hat Joggen mit dem Betäubungsmittelgesetz zu tun“? Antwort: eigentlich nichts, denn die Belastungen, die für die Freisetzung der körpereigenen „Highmacher“ – Endorphine – notwendig sind, sollten Sie nicht anstreben. Zum „well being“, also körperlichen und seelischen Wohlbefinden, reicht es aus, wenn Sie sich alle zwei bis drei Tage  30 bis 45 Minuten bewegen. Joggen ist hierzu eine ideale Möglichkeit. Der ehemalige tschechische Weltklasselangstreckenläufer Emil Zatopek brachte es auf den Punkt: „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft… sollte er jedenfalls. Doch meistens sitzt er, und das macht ihn krank. Bewegung kann vieles heilen: Übergewicht, Rückenschmerz, Depression, Sucht. Immer mehr Menschen erwecken mit Sport auch den Urinstinkt, gesund zu leben und sind glücklich“!   
Thomas Suermann

Gesundheit und Prävention auch im Stadtradio Göttingen
„Martinas Sprechstunde“ von Martina Frigge-Filbir geht am 10. September in die nächste Runde im Stadtradio Göttingen. Hörer können anonym ihre medizinischen Fragen aus allen Fachgebieten an Dr. Thomas Suermann richten. Einsendungen bis zum 31. August per E-Mail an: plaudertina@email.de.

Authored by: Blick Redaktion