Prävention im BLICK, Teil 7: Internationaler Tag der Patientensicherheit
Arzneimitteltherapie- sicherheit gewinnt in der Öffentlichkeit zunehmend an Bedeutung. Foto: Pixabay

Prävention im BLICK, Teil 7: Internationaler Tag der Patientensicherheit

Das Thema Arzneimitteltherapiesicherheit hat in den vergangenen Jahren in Deutschland in der Öffentlichkeit zunehmend an Aufmerksamkeit und Bedeutung gewonnen. Unerwünschte Arzneimittelereignisse  (UAE) sind definiert als unerwünschte medizinische Ereignisse, die in Verbindung mit der Anwendung eines Arzneimittels auftreten (z.B. ein Spritzenabszess nach Injektion eines Medikaments in den Gesäßmuskel).

Bei den unerwünschten Arzneimittelereignissen unterscheiden wir die unerwünschte Arzneimittelmittelwirkung (UAW) – also die Nebenwirkung eines Medikaments – und den Medikationsfehler (zum Beispiel der Arzt verordnet ein falsches Medikament oder der Patient ignoriert die Verordnung des Arztes). Sehr viele, besonders ältere Menschen nehmen jeden Tag mehr als drei Tabletten täglich ein. Das erklärt, warum man inzwischen davon ausgeht, dass tödliche UAW von Arzneimitteln die sechsthäufigste Todesursache darstellen. 

Normalerweise kann der gesunde Mensch relativ viel vertragen, und selbst Verwechselungen oder grobe Dosierungsfehler verursachen keine Katastrophe.
Ganz anders ist die Situation aber bei den Patienten, die bereits aufgrund einer Herz- oder Nierenschwäche eine wesentlich eingeschränkte Kompensationsfähigkeit haben. Da reichen selbst relativ kleine Fehler aus, den Patienten zu gefährden. Was sind nun die Ursachen der unerwünschten Arzneimittelereignisse? Sicher steht der Arzt im Zentrum aller Bemühungen, UAE zu vermeiden. Die Medizin wird komplexer, die Menschen werden älter und multimorbider (viele Erkrankungen gleichzeitig), die Rahmenbedingungen für Ärzte schlechter (immer noch Budget-Zwänge und Regress-Androhungen).

Bei der Fehleranalyse unerwünschter Arzneimittelereignisse kommt man zu folgenden Ergebnissen: 1. Eine Erkrankung wird mit falschen Medikamenten oder aber mit zu hoher oder zu niedriger Dosierung behandelt.  2. Gerade bei älteren multimorbiden Menschen kann es bei Einnahme mehrerer Medikamente zu gefährlichen  Interaktionen der Medikamente untereinander kommen. Sogar das Trinken von Grapefruitsaft kann fatale Auswirkungen auf Medikamente haben. 3. Die Funktion von Niere und Leber spielt bei der Verstoffwechselung (Abbau) eines Medikaments eine große Rolle. Die altersbedingte nachlassende Funktionsfähigkeit dieser Organe wird bei der Dosierung häufig nicht berücksichtigt. 4. Auch die Compliance des Patienten (Zuverlässigkeit bei der Tabletteneinnahme) muss vom Arzt bei der Medikamentenverordnung berücksichtigt werden. Eine Eigenmedikation des Patienten ohne Wissen des Arztes kann zu schwerwiegenden Interaktionen führen. Häufig sind unerwünschte Arzneimittelereignisse auf Kommunikationsfehler zurückzuführen. Das kann bereits innerhalb des Praxisteams geschehen, nicht selten aber auch im Verhältnis zum Patienten. Ein erster Schritt zur Abhilfe könnte das elektronische Rezept sein. Optimal wäre, wenn die Daten des elektronischen Rezepts bei der Verordnung mit folgenden drei Datenbänken vernetzt wären: 1. Patientendaten einschließlich Leber- und Nierenfunktion, 2. Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften, 3. Datenbank der Hausapotheke.

Wichtig erscheint auch, dass es im Rahmen des von der Politik bereits verordneten Qualitätsmanagements  eine Fortentwicklung des von den Ärztekammern bereits  propagierten Fehlermanagement gibt. Hierzu leistet der „2. Internationale Tag der Patientensicherheit am 17. September“ einen wichtigen Beitrag.
Dr. Thomas Suermann, Vorstand der Gesundheitsregion Göttingen

Authored by: Blick Redaktion