Start der Spendenkampagne „Kleine Rücken brauchen Hilfe“
560 000 Euro werden benötigt (v.l.): Dr. Anna-Kathrin Hell, Lene H., Prof. Dr. Joachim Lotz, Katrin Gebel, Karsten H., Jeannine H. und Dr. Martin Siess. Foto: Hinzmann

Start der Spendenkampagne „Kleine Rücken brauchen Hilfe“

Goettingen. Eine Spendenkampagne für ein besonders strahlungsarmes, schnelles und patientenfreundliches 3-D-Röntgengerät hat die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) gestartet. Mit dem 560 000 Euro teuren System sollen vor allem Kinder mit Fehlbildungen der Wirbelsäule untersucht werden. „Wir behandeln jährlich mehr als 1000 solcher Kinder“, berichtete Professorin Anna-Kathrin Hell, die den Schwerpunktbereich Kinderorthopädie der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie leitet. Manche könnten sich ohne Hilfe kaum aufrecht halten. Eine schwere Wirbelsäulenverkrümmung behindere zudem das Wachstum von Herz und Lunge. Atemprobleme seien die Folge.

Das Operative Kinderzentrum in Göttingen gehöre zu den bundesweit führenden Einrichtungen. Patienten kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. „Viele der Betroffenen müssen von der Geburt an oft zweimal im Jahr operiert und dafür jedes Mal vor und nach dem Eingriff geröntgt werden“, so Professorin Hell. Drei bis vier Minuten dauerten die Aufnahmen, die stehend und mit erhobenen Armen absolviert werden, sagte Professor Joachim Lotz, Direktor des UMG-Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie. Das tue kurz nach der Operation sehr weh, berichtete die elfjährige Johanna, die bereits 19 Operationen hinter sich hat. Ihr wurden zwei Metallstäbe eingesetzt, die nach jedem Wachstumsschub verlängert werden müssen.
Das neue System, so Lotz, benötige nur 20 Sekunden für eine Aufnahme und liefere dreidimensionale Bilder des gesamten Körpers in hoher Auflösung. Das helfe beim Erstellen des Operationsplans, ergänzte Hell. „Durch die Strahlenbelastung, auf die junge Menschen zehnmal stärker als Erwachsene reagieren, steigt das Tumorrisiko“, warnte Katrin Gebel, die leitende Medizinisch-Technische Röntgenassistentin des Instituts. Das neue System benötige nur ein Zehntel der Strahlung. „Wir wollen aus diesen Gründen das Gerät beschaffen, das seit acht Jahren auf dem Markt ist und sich klinisch bewährt hat“, erklärte Dr. Martin Siess, UMG-Vorstand für Krankenversorgung. Allerdings zahlten die Krankenkassen nur Geld für die Regelversorgung. Das innovative Röntgensystem, das heute nur noch halb so viel koste wie bei seiner Markteinführung, müsse durch Spenden finanziert werden. Eine erste Großspende über 50 000 Euro habe es gegeben. mic

❱❱ Spendenkonto der Universitätsmedizin, IBAN: DE98 2605 0001 0000 0014 20; Kennwort: Kleine Rücken

Authored by: Blick Redaktion