White Sleeves

White Sleeves

Hallo meine lieben Freunde und Schauspielinteressierten,

gut ein Monat ist nun vorbei und die Zeit der Prüfungen ist gekommen. Wie ich bereits im letzten Beitrag erwähnt habe, geht es in diesem Semester um die Aufgabe, Charaktere auszuarbeiten und getreu darzustellen. Überdies beschäftigen wir uns auch mit dem Schauspieler als Künstler. Denn ein Schauspieler ist ebenso wie ein Maler, ein Musiker oder ein Tänzer ein Künstler. Sein Element ist die Darstellende Kunst.

 

Dementsprechend wurde unsere erste Präsentation und Prüfung auf eben diese Frage abgestimmt: Wer bin ich als Künstler und wie bringe ich meine Kunst zum Ausdruck? Eine sehr philosophische Frage, die nicht unbedingt schnell zu beantworten ist. Aber was wären wir Schauspieler denn, wenn wir diese Frage mit Worten oder gar Hausarbeiten beantworten müssten? Wäre es nicht viel spannender, diese Frage einfach mithilfe einer audiovisuellen Darstellung zu beantworten?

OUI, OUI und noch mal OUI!

Deswegen erfand das Cours Florent die Prüfungsaufgabe „White Sleeves“ (dt. Weiße Ärmel).

 

White Sleeves:

This private presentation takes place early in the year, about three to four weeks after the beginning of the program. Each student must present a three to four-minute creation of his or her choosing without the intervention of an instructor. The goal of this exercise is to push the young actor to affirm his/her choices and to showcase his/her artistic sensibility. All proposals are valid if the actor fully dedicates himself.

 

Die spannende Frage lautet nun: Für was hat sich Rosanne entschieden? Tja, wenn man alles darf und alles kann und alles will, dann muss man wirklich selektiv seinen Ideendschungel durchstöbern. Das Problem an einer Idee, die zu 100 Prozent von einem selbst stammt, ist, dass sie einem ganz schön Angst einflößen kann. Denn die Verantwortung für das Gelingen dieser Idee trägt man ebenfalls zu 100 Prozent selbst. Sollte die Idee also nicht aufgehen oder im Endprodukt beim Publikum nicht ankommen, so gibt es wirklich niemanden, dem du die Schuld daran geben könntest. Kein Regisseur, kein Autor, kein anderer Schauspieler, kein Choreograph, kein Kostümdesigner…. Nur DIR SELBST (und dem Publikum natürlich! Das ist sowieso immer an allem Schuld).

So wollte ich zuerst eine kleine Comedy Show auf die Beine stellen, um mein eventuell vorhandenes komödiantisches Talent zu erproben… Diese Idee verwarf ich dann jedoch schnell wieder, da ich es mir nicht zutraue, den Humor von Franzosen, Engländern, Spaniern und Amerikanern gleichermaßen zu treffen.

Idee Nummer Zwei wurde deutlich persönlicher. Ich beschloss, einen selbstgeschriebenen Song in Deutsch zu singen, den ich für meine beiden geliebten Katzen (sie sind diesen Sommer beide verstorben) geschrieben hatte. Allerdings bin ich noch nicht soweit, dieses Thema in der Öffentlichkeit zu verarbeiten, da es mir persönlich zu sehr weh tut. Ihr seht also, dass es auch als Schauspielerin bestimmte Themen gibt, die zu persönlich sind und nicht auf die Bühne gehören.

Also dachte ich weiter nach und während ich so dachte, hörte ich über meine Kopfhörer Musik. Da traf mich plötzlich der Schlag und ich wusste was ich machen wollte. Der Song Copacabana von Barry Manilow lief grade in voller Lautstärke auf meinem Handy und ich war so begeistert und inspiriert, dass ich beschloss, diesen Song in eine Musical Szene zu verwandeln. Mit Tanz, Gesang und Schauspiel. Und so ward meine Idee geboren. Und morgen ist es an der Zeit, mein Baby auf die Bühne zu bringen, damit es das Licht der Welt erblicken kann.