„Bei den wilden Kerlen“ im Deutschen Theater
Haarig: „Bei den wilden Kerlen“ im Deutschen Theater. Foto: Aurin / r

„Bei den wilden Kerlen“ im Deutschen Theater

Göttingen. Einen spannenden Theaternachmittag mit ungewöhnlich haarigen Wesen haben die Zuschauer bei der Premiere von „Bei den wilden Kerlen“ im Deutschen Theater erlebt. Nur 333 Wörter zählt die deutsche Version des Kinderbuchklassikers des 2012 verstorbenen Autors Maurice Sendak „Wo die wilden Kerle wohnen“. Das neue Familienstück des Deutschen Theaters basiert noch dazu auf der 2009 erschienen Romanversion des Stoffes von Dave Eggers.

Der achtjährige Max (überzeugend im Wolfspelz: Marius Ahrendt) hat es nicht leicht. Seine pubertäre Schwester (Marie Seiser) hat keine Lust mehr auf ihn, seine Mutter (Andrea Strube) hat nur den neuen Freund im Kopf, die Freunde der Schwester drangsalieren ihn auch, und so wütet er voll Frust durch die weiße Wohnung, in der alles um 90 Grad gedreht ist. Hier gelten die Gesetze der Schwerkraft nicht, Max’ Welt ist aus den Fugen. Nachdem seine Mutter ihn sauer ohne Abendessen ins Zimmer geschickt hat, träumt er sich weit weg. Das Bettlaken wird in der ideenreichen Inszenierung von Laura Linnenbaum zum Segel, die Wohnung – ein Kasten auf Rollen – wird zum Schiff. Er landet auf einer Insel mit seltsamen Kreaturen, die Bäume umschubsen und ihn zunächst auffressen wollen. Aber er weiß sich Respekt zu verschaffen, und so machen ihn die wilden Kerle sogar zu ihrem König. Aber auch, wenn es eine Krone, herrlichen Krach und viele Kuschel­einheiten gibt, ist Max als König schnell überfordert, denn die Monster haben sehr menschliche Probleme: Neid, Konkurrenz, Traurigkeit und Leere. Max‘ Überforderung gipfelt darin, dass er einen Kerl so heftig verprügelt, dass der am Boden liegt. Das geht sehr weit für ein Stück, das ab sechs Jahren empfohlen wird. Max beschließt, heimzukehren, wo er wenigstens keine Angst vor dem Gefressenwerden haben muss, wenn seine Untertanen mal schlechte Laune haben. mv

❱❱ Weitere Aufführungen am 3., 17., 23. und 26. Dezember. Infos: dt-goettingen.de

Authored by: Blick Redaktion