Kitagebühren: Land soll Kosten finanzieren
Wer soll die Kinderbetreuung bezahlen – die Eltern, die Stadt oder das Land? Foto: Pixabay

Kitagebühren: Land soll Kosten finanzieren

Göttingen. Die künftige Landesregierung möchte, dass Eltern keinen Beitrag mehr zahlen müssen, wenn ihr Kind eine Kindertagesstätte besucht. Die freien Träger der Kitas und die Stadt äußern Bedenken. Insbesondere für die Träger bedeute der Wegfall des Elternbeitrags einen Einschnitt, denn einige der Aktivitäten würden zum Großteil darüber finanziert, teilt Michael Bonder, Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes Göttingen, mit. Er findet die geplante Beitragsfreiheit zwar gut, hat aber wegen der genauen Umsetzung doch Bedenken. „Aus meiner Sicht wäre es hierbei vor allem wichtig, Familien und Alleinerziehende mit niedrigem Einkommen zu unterstützen“, erklärte Bonder.

Den Trägern würde Geld fehlen, das sie zur Qualitätsentwicklung in der Kita und zur Fortbildung der Mitarbeiter benötigten. „Dadurch wird der Handlungsspielraum, den wir haben, geringer“, sagt Bonder. Dem stimmt Ortrud Kaisinger vom Kita-Büro des Kirchenkreises Göttingen zu. Aus ihrer Sicht sind bei den Verhandlungen noch Fragen offen. „Vor allem ist nicht klar, wie sehr die Kommunen belastet werden, wenn nur Pauschalbeiträge gezahlt werden.“ Michael Hofer, Geschäftsführer des Vereins Kinderhaus, warnt: „Alles, was nichts kostet, ist auch nichts wert.“ Es müsse geklärt werden, wer für die vom Land erstatteten Kosten aufkomme. Ansonsten müssten die Eltern Abstriche machen, was die Betreuungsumfänge angehe, so Mathias Eilers (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Dransfeld. „Das ist kontraproduktiv.“ Obwohl die Gemeinden in Gieboldehausen Träger ihrer Kitas sind, sieht Steffen Ahrenhold (CDU), Bürgermeister der Samtgemeinde, die Entwicklung kritisch: „Die Beitragsfreiheit darf nicht zulasten der Kommunen gehen. Dies ist schon beim derzeit freien dritten Kindergartenjahr passiert.“ Die Idee der Beitragsfreiheit sei zwar gut, doch das Land müsse den Elternbeitrag dann komplett übernehmen.

Siegfried Lieske, Dezernent für Schule und Jugend der Stadt Göttingen, verweist auf die Lücke, die das beitragsfreie dritte Kindergartenjahr im Haushalt der Stadt hinterlassen habe: Sie müsste zunächst geschlossen und die weiteren beitragsfreien Kita-Jahre müssten „vollständig vom Land übernommen werden“. Nur so sei es möglich, den Forderungen der freien Kita-Träger nachzukommen.
Obwohl Lieske die Abschaffung der Gebühren im Gegensatz zu Michael Bonder als großen Schritt in Richtung gleicher Bildungschancen sieht, befürchtet er: „Eine Entlastung des städtischen Haushalts, der immerhin 30 Millionen Euro jährlich für Kinderbetreuung trägt, dürfte sich nicht ergeben.“ ve/pn

Authored by: Blick Redaktion