Krass und komisch: „Er ist wieder da“ im Jungen Theater
Krass: Agnes Giese als Adolf Hitler. Foto: Heise / r

Krass und komisch: „Er ist wieder da“ im Jungen Theater

Göttingen. Was würde passieren, wenn Adolf Hitler nicht tot, sondern nur für lange Zeit verschollen gewesen wäre? Das Stück „Er ist wieder da“ nach dem gleichnamigen Roman von Timur Vermes, das derzeit im Jungen Theater (JT) läuft, geht genau dieser Frage nach und findet sogleich eine Antwort: Hitler bekommt eine eigene TV-Sendung.

Knapp 70 Jahre war er verschollen, doch nun ist er wieder da und kann wieder seinen Plan verfolgen: Das deutsche Volk auf den rechten Weg zu bringen, natürlich unter seiner Führung. „Alles in allem ist die Lage für mich hervorragend“, analysiert Hitler das Deutschland des 21. Jahrhunderts, nachdem er sich durch Lektüre der aktuellen Printmedien, die Recherche im „Internetz“ und das Zappen durch die unzähligen Programme des (Privat-)Fernsehens auf den aktuellen Wissensstand gebracht hat. Gut, dass er erstmal bei einem Kioskbesitzer (Jan Reinartz) unterkommen kann, der ihn zufällig aufgelesen hat. So kommt es, dass der Kioskbesitzer Hitler Frank Sawatzki (Karsten Zinser) vorstellt, der ihn mit zu der Fernsehagentur Flashlight nimmt. Die aalglatten und sensationsgierigen Produzenten Carmen Bellini (Franziska Lather) und Joachim Sensenbrink (Peter Christoph Grünberg) sind ganz begeistert von Hitler und produzieren nach einigen Querelen die „Hitler-Show“. Am Ende bekommt die vermeintliche Comedysendung den Grimme-Preis, ungeachtet dessen, dass Hitlers Assistentin ihre Arbeit kündigt, weil die Familie ihrer jüdischen Großmutter im Nationalsozialismus ermordet wurde.

„Er ist wieder da“ in der Inszenierung von Michaela Dicu zeigt ohne erhobenen Zeigefinger auf, wie schnell Demagogen und Hetzer Erfolg haben können – und wie schnell jeder Einzelne dazu beitragen kann. Das JT präsentiert eine sehenswerte Komödie, bei der dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleibt.mi

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Authored by: Maren Iben