Prävention im BLICK, Teil 10: „Demenz – Die kommende Volkskrankheit?“
Demenz (lateinisch: „Ohne Geist“) charakterisiert einen krankhaften, nicht altersgemäßen Abbau kognitiver (lernender, verstehender) Leistungen. Foto: Pixabay

Prävention im BLICK, Teil 10: „Demenz – Die kommende Volkskrankheit?“

Göttingen. Demenz (lateinisch: „Ohne Geist“) charakterisiert einen krankhaften, nicht altersgemäßen Abbau kognitiver (lernender, verstehender) Leistungen. Es handelt sich hierbei um Erkrankungen des Gehirns unterschiedlicher Ursache, die primär im höheren Alter auftreten.

In Deutschland gibt es immer mehr Hochbetagte. Gegenwärtig sind vier Millionen Menschen über 80 Jahre alt, im Jahre 2050 rechnet man bereits mit zehn Millionen über Achtzigjährigen. Das höhere Lebensalter ist in erster Linie durch den exponentiellen Anstieg von dementiellen Erkrankungen sowie von Hilfs- und Pflegebedürftigkeit gekennzeichnet.
Im Jahre 2014 litten zirka 1,5 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz, im Jahr 2050 rechnet man mit 2,4 Millionen bis 3,6 Millionen Demenzkranken. Im Alter von 65 bis 69 Jahren ist jeder Zwanzigste betroffen, im Alter von mehr als 90 Jahren bereits jeder Dritte. Die Ursachen der Demenz sind vielschichtig: Bei der Demenz unterscheiden wir die neurodegenerative (Abbau von Nervenzellen – die Krankheit des Alzheimer-Typs ist hier mit 60 Prozent am häufigsten) von der vaskulären Ausprägung infolge Durchblutungsstörungen. Die Demenz kann auch im Zusammenhang mit verschiedenen Grundkrankheiten auftreten: Parkinson, Stoffwechselstörungen, Alkoholmissbrauch, Hirntumore und andere. Die Gehirndurchblutung beträgt pro Minute 0,75 Liter, pro Stunde 45 bis 60 Liter und wird durch Bewegung erhöht. Schon bei einem Spaziergang (25 Watt) nimmt die Hirndurchblutung um 25 Prozent zu. Die geistige Fähigkeit ist bei körperlicher Aktivität höher als bei Inaktivität. Bewegung beeinflusst lebenslang positiv kognitive Gehirnfunktionen.

„Die Hinweise verdichten sich, dass eine Alzheimer-Demenz nicht allein Schicksal ist“, sagt der Kölner Demenz-Forscher Professor Frank Jessen. Und: „Es gibt wahrscheinlich Möglichkeiten, das Risiko einer Erkrankung zu mindern. Als Faustregel gilt: Was dem Herz gut tut, hilft auch dem Gehirn.“ Darum gelte es, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Übergewicht im Auge zu behalten, um diesen Risikofaktoren frühzeitig entgegenzuwirken. Hier scheint eine gute Einstellung des Bluthochdrucks eine besondere Rolle zu spielen.
Die Münsteraner „SEARCH-Health Studie“ mit über 700 Teilnehmern belegt, dass bereits ein leicht erhöhter Blutdruck- oder Blutzuckerwert jeder für sich das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt. Mehr als jede zehnte Demenzerkrankung und jede fünfte Alzheimer-Demenz sind auf Adipositas (Fettsucht) zurückzuführen. Mehrere Studien haben nachgewiesen, dass mediterrane Ernährung das Demenzrisiko um bis zu 40 Prozent reduzieren kann. Doch anstatt ihren Lebensstil zu ändern, neigen Menschen gerne dazu, lieber Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente einzunehmen, um einer möglichen Demenz vorzubeugen – doch hilft dieses Rezept leider nur bei Mäusen. Fasst man die Studiendaten zusammen, ist festzustellen, dass mit regelmäßiger Bewegung, viel geistiger Aktivität und gesunder Ernährung sich das Demenzrisiko nahezu halbieren ließe.

Thomas Suermann
Vorstand Gesundheitsregion Göttingen

Authored by: Blick Redaktion