25 Jahre Drogenberatungszentrum
Jochen Gebauer und Markus Lingemann vom Team des Drobz. Foto: Michaeli

25 Jahre Drogenberatungszentrum

Göttingen. Seit 25 Jahren berät das Team vom Drogenberatungszentrum (Drobz) des Diakonieverbands Rauschmittelkonsumenten und Süchtige in Göttingen. Eine Zeit, in der sich viel verändert hat – für die Einrichtung und die Klienten.

Suchtberatung, Substitutionsbegleitung und ein Kontaktladen gehören zum Drobz, das kürzlich seine neuen Räume in der Innenstadt bezogen hat. Das Drobz möchte niedrigschwellig und nicht verrucht auftreten, dies betont der stellvertretende Leiter Markus Lingemann im Gespräch mehrfach.
Angefangen hat all das anders: An einem Hinterhof an der Groner Straße sei 1992 der erste Standort entstanden, schildert Lingemann. Zwei Berater arbeiteten dort in Teilzeit. Heroin war damals in Deutschland auf dem Vormarsch – was auch Göttingen zu spüren bekam, wo es zuvor keine eigene Beratungsstelle für Drogenabhängige gab. Lingemann ist 1996 zum Team des Drobz gekommen und erinnert sich an die frühen Jahre gut: Unter Beratern habe ein regelrechter Glaubenskrieg über Sinn und Unsinn der Substitution von Heroin mit dem von Ärzten ausgegebenen Ersatzstoff Methadon getobt. Der sei kurz nach Lingemanns Berufsstart aufgelöst worden. Seitdem gehört die Substitutionsberatung zum Angebot des Drobz. Wenig später kam der Kontaktladen hinzu, ein niedrigschwelliges An­gebot, bei dem potenzielle Klienten ohne große Formalien einen Kaffee mit Mitarbeitern trinken. Heutzutage spiele Heroin vor allem bei den Klienten in der Substitutionsberatung eine Rolle, schildert Lingemann. Zwar kämen dort immer noch 150 Abhängige jährlich, doch bei den Erstkontakten hätten andere Rauschmittel das Opiat als Droge Nummer eins abgelöst.
Lingemann und sein Kollege Jochen Gebauer sprechen dabei von „Wellen“, die sie jeweils ereilten und wieder abklingen würden: In den frühen 2000er-Jahren viele Partydrogen, später das „extrem gefährliche“ Flex, eine synthetische Droge, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Psychosen auslöse. Zuletzt seien viele der 180 jährlichen Besucher der Suchtberatung wegen Cannabiskonsums gekommen.
Bei der Therapie ist der Grundsatz gleich geblieben: „Einen Königsweg gibt es nicht“, sagt Lingemann. Immer müssten die Berater die Hintergründe der Sucht abklären, die Lebensgeschichte der Konsumenten ergründen und deren Ziele herausfinden. Je nach Fall empfehle das Drobz eine stationäre Therapie, eine ambulante Behandlung im Drobz oder schlicht weitere Gespräche. Denn längst nicht alle Gelegenheitskonsumenten, die vorstellig würden, bräuchten eine Therapie, so Gebauer.
Die anderen Fälle haben sich allerdings mehr in das Gedächtnis der Berater eingebrannt: „Der erste Drogentote ist etwas, was einem für den Rest des Lebens vor den Augen bleibt, sagt Lingemann. Zugleich gebe es in einer kleinen Stadt wie Göttingen aber auch häufig Erfolgserlebnisse. Beispielsweise, wenn er ehemalige Klienten auf der Straße treffe und diese vom glücklichen ­Leben mit Frau, Kind und Job berichteten.

 
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Authored by: Markus Riese