Spielerisch Mathe lernen – mit App aus Göttingen
Die Gründer wolle ihre Mathe-App bald auf den Markt bringen (v.l.): Tobias Jahn, Lars Melchior und Christoph Stiller. Foto: Pförtner

Spielerisch Mathe lernen – mit App aus Göttingen

Göttingen. Eine App, mit der sich Mathe-Stoff bis zum Abitur spielerisch erlernen lässt, haben drei Absolventen der Uni Göttingen entwickelt. In den kommenden vier Wochen wollen die Gründer der Firma Edutapps, die zurzeit Räume im GO-E-Lab der Privaten Hochschule Göttingen nutzen, ihr Lernangebot auf den Markt bringen.

„Sie verstehen es einfach nicht“, hat Physiker Lars Melchior mehrfach frustriert festgestellt, wenn er Jugendlichen Mathematik erklären wollte. Andererseits spielten einige dieser Schüler ohne große Anleitung komplexe Computerspiele schnell erfolgreich. „So kam ich auf die Idee, eine Mathe-App zu entwickeln, mit der Nutzer sich den Stoff durch spielerisches Ausprobieren aneignen“, berichtet er.
Businessplan
Apps, so Melchior, habe er bereits während des Studiums entwickelt. Eine zur bildlichen Darstellung von physikalischen Daten habe er sogar mit Erfolg vermarktet. Martin Stammann von der Gründungsberatung der Universität habe ihn ermutigt, sich selbstständig zu machen. „Ich fragte meinen Kommilitonen Tobias Jahn, ob er mitmachen wolle“, berichtet der Physiker. „Wir haben uns seit dem ersten Semester jede Woche mehrmals im Computerraum getroffen“, sagt Jahn. Sie hätten dort beide viel programmiert. Als wissenschaftliche Hilfskräfte hätten sie Biologen Mathe beigebracht und so pädagogische Erfahrungen gesammelt. „Wir könnten beide sofort eine Doktorandenstelle oder einen Job in der freien Wirtschaft bekommen“, betont Melchior. Sie reize es aber mehr, selbst etwas aufzubauen. Dafür nähmen sie auch finanzielle Einbußen in Kauf.
„Beim Schreiben des Businessplans sind wir schnell an unsere Grenzen gekommen“, räumt Jahn ein. Sie hätten bei den Betriebswirten um Hilfe gebeten. Über Professor Stefan Dierkes, der Finanzen und Controlling lehre, hätten sie Betriebswirt Christoph Stiller kennengelernt. „Softwareentwicklung ist ein Markt der Zukunft“, sagt der zu seiner Motivation, bei Edutapps einzusteigen.
Exist-Gründerstipendium
Den dreien gelang es, ein einjähriges Exist-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu bekommen. In zwei Monaten läuft es aus. „Wir hoffen, dann in ein Accelerator-Programm aufgenommen zu werden oder Business Angels zu finden, gestandene Unternehmer, die bei uns einsteigen“, sagt Stiller. Die Aussichten stuft er als „gut“ ein. Von ihrer App würden sie zunächst noch nicht leben können. Sie glaubten aber an das Produkt.
„Wir wollen die App, mit der sich bisher Algebra lernen lässt, weiterentwickeln“, kündigt Melchior an. Integriert werden sollten Textaufgaben und Geometrie. Außerdem sei eine englische Version geplant. Von August an würden Lehrer verschiedener Schulen eine App für den unterrichtsbegleitenden Einsatz testen. Ein weiteres Projekt: „Wir schreiben an einem Programm, mit dem Schüler, aber auch Studierende, Physiker und Techniker Gleichungen am Rechner selbst lösen können“, so Melchior. Anders als beim Taschenrechner werde das Ergebnis nicht vorgegeben.
„Unsere Arbeitstage sind lang“, bekennt der Gründer. Sie fingen morgens zwischen 9 und 10 Uhr an und arbeiteten dann in der Regel bis 21 Uhr, teilweise aber auch bis morgens um 1 Uhr. Angenehm sei der große, möblierte Büroraum, den ihnen die PFH seit Jahresende 2017 kostenlos zur Verfügung stelle. Im dritten Stock an der Weender Landstraße 3-7 seien weitere Start-ups untergebracht, etwa Your Car. Zuvor hätten sie ein halbes Jahr Räume im Pre-Inkubator des Südniedersachsen-Innovationscampus (SNIC) genutzt.

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Authored by: Markus Riese