Junge Käuze aus Rüdershausen
Zwei Jungtiere sind derzeit in Aufzucht; sie sind am 10. Mai geschlüpft. Foto: Hartwig

Junge Käuze aus Rüdershausen

Noch bis Mitte der 1960er-Jahre war der Steinkauz im Eichsfeld häufig anzutreffen. Der nachfolgend anhaltende Rückgang der Vogelart gab Friedrich-Karl Schöttelndreier zu denken. Heute betreibt Schöttelndreier das NABU-Projekt „Rettet den Steinkauz“ in Rüdershausen.

Aufgrund seiner Zuchten hätten in den Jahren von 1984 bis heute 242 Steinkäuze aus Rüdershausen eine neue Heimat in Deutschland erhalten, sagt Schöttelndreier stolz, der sich als „Einzelkämpfer in Sachen Naturschutz“ sieht. Und die Zucht sei eine Menge Arbeit. Jeder der kleinen Käuze werde beringt und erhalte ein amtliches Papier. Gefüttert würden sie mit Mäusen und Eintagsküken. Aktuell wirft Friedrich-Karl Schöttelndreier ein Auge auf eine Nachzucht aus zwei Jungtieren, die am 10. Mai geschlüpft sind.

Die Ursachen für den dramatischen Rückgang des Steinkauzes – nicht nur im Eichsfeld – seien sehr komplex, sagt Schöttelndreier. Die Hauptursache sei jedoch in der Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion zu sehen. Diese habe dazu geführt, dass die für den Steinkauz essenziellen Kulturlandbiotope verschwinden – etwa Streuobstbestände, beweidetes Grünland, offene Feldscheunen, Feldgehölze mit höhlenreichen Altbaumbeständen.

Obstplantagen im Blick

Schöttelndreier, damals noch in der Funktion als Bundespolizeibeamter, habe bei seinem Dienst immer gute Sicht auf Obstplantagen und die damals noch vorhandene Steinkauz-Population im Eichsfeld gehabt, erinnert er sich. Alsbald kam ihm der Gedanke, ein Projekt ins Leben zu rufen, das sich zur Aufgabe stellt, die noch vorhandenen Bestände von Steinkäuzen mit Nachzuchten zu stabilisieren.

Landschaften mit alten Obstbaumbeständen, Bachläufen mit Gehölzstrukturen aus alten Weiden und Pappeln sowie Weidebewirtschaftung durch private Tierhalter: all das führe zu kurzrasigen Grünlandflächen, die für den Steinkauz als Nahrungsflächen sehr wichtig sind, so Schöttelndreier. Alte Gehöfte mit offenen Scheunen würden dem Steinkauz vor allem im Winter als zusätzliche Jagdgebiete dienen, in denen sie gut Mäuse finden.

Schöttelndreier sieht seine Aufgabe nun darin, Zoos, Organisationen oder auch engagierte Privatleute sowohl mit Tieren aus seiner eigenen Zucht zu beliefern als auch zu beraten. Service für Interessierte also, die den Steinkauz in ihrer Region wieder beheimaten möchten. Nachfragemangel gebe es keinen. „Man kennt sich untereinander“, so Schöttelndreier. Einen Anlass, den Steinkauz wieder anzusiedeln, gebe es auf alle Fälle. Der Vogel sei Indikator für eine strukturreiche und artenreiche Kulturlandschaft.

Natürlich gebe es nicht überall Bedingungen, die zu einhundert Prozent für eine Aufzucht des Steinkauzes passen, so der Experte. Hier müsse man der Natur etwas nachhelfen, zum Beispiel mit Brutkästen. Hier seien unterschiedliche Konstruktionen zu haben. Er selbst bevorzuge die eckige – mit dieser Art könnten sich die Tiere besser an ihre neue Umgebung gewöhnen. Drei dieser Brutkästen seien das Maximum für eine Aufzucht. Je besser die Umgebung die Bedürfnisse der Steinkäuze erfülle, so Schöttelndreier, desto weniger Kästen würden benötigt. Einer sei allerdings das Minimum.

Derzeit wird das Projekt „Rettet den Steinkauz“ durch sechs Steinkauzpaten und Schöttendreiers Familie am Laufen gehalten. Wer die Nachzucht von Steinkäuzen unterstützen möchte, kann sich unter FKSch@t-online an Friedrich-Karl Schöttelndreier wenden.

Authored by: Blick Redaktion