„Elch“ für Knorr und Droste
Die Satiriker Pit Knorr (l.) und Wiglaf Droste.

„Elch“ für Knorr und Droste

Zum ersten Mal in der Geschichte des Satire-Preises „Göttinger Elch“ wird die Auszeichnung an zwei Künstler verliehen. Pit Knorr und Wiglaf Droste werden in das Elch-Rudel aufgenommen. Warum gleich zwei? „Weil die Jury es kann“, teilt das Gremium mit.

Welch‘ Elch! Einmal nur diese Formulierung verwenden. Der Anlass ist der bestmögliche: Pit Knorr wird geehrt. Endlich.

Die Jury des Göttinger Elches hat folgende Begründung für die Auszeichnung gefunden: „Gepriesen sei der uneitle, blitzgescheite, der helle und schnelle Schreiber, der neue Frankfurter Schullehrer der schwarzen Humorpädagogik, der leidenschaftliche Teamarbeiter im Scherzbergwerk des Herrn, die Rampensau, die Jahr für Jahr mit Erna den Baum nadeln lässt, der neidlose Bewunderer, der unermüdliche Ideengeber, ja, Ideenerzwinger, der Anstoßer, Impulsgeber, Türöffner, Antreiber und Bremser, der Komikgeburtshelfer Pit Knorr. Ein Elch von einem Mann, ein Mann für den Elch!“

Knorr, Journalist, Autor, Satiriker, Regisseur, gilt als Sinnbild des Teamarbeiters. Vermutlich zwei der Gründe für die übersichtliche Zahl an Ehrungen. Zum einen ist er kein klassischer Romanautor oder Lyriker, zum anderen gibt es nicht vieles, das allein seinen Namen trägt. Da liege es in der Natur der Sache, erklärt der künftige Elchpreisträger, dass es Ehrungen und Preise nicht zuhauf gegeben habe. Der Göttinger Elch wird fürs Lebenswerk verliehen. Allein die jahrzehntelange Autorenschaft für die Programme des Vorzeige-Ostfriesen Otto Waalkes war und ist bis heute stilbildend. Begonnen in einer Zeit, als noch Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff zuständig fürs angeblich Komische waren, haben die Witze, Kalauer, Pointen und Programme des Autorentrios Gernhardt-Eilert-Knorr regelrecht eingeschlagen und sind Maßstab bis heute. Wer’s nicht glaubt, muss sich nur eine der ersten Otto-Shows noch einmal ansehen: Enorm vieles davon hat längst Eingang in die Alltagskultur gefunden und ist wirklich Allgemeingut. Seitdem gilt tatsächlich: „Wer Kuli liebt und Frankenfeld, der hat ein Recht auf Krankengeld.“

Was Pit Knorr mit knapp 79 Jahren noch antreibt? „Was man kann, macht man eigentlich ganz gern.“ Und er kann’s: Als Autor ein zum Niederknien guter Stilist, als Vortragskünstler ausgestattet mit einem wunderbaren Timing. Selbstkritik? „Für einen Satiriker bin ich ein etwas zu positiver Mensch. Aber ich kann auch auf den Putz hauen.“ Davon können sich die Gäste der Preisverleihung Ende Juni im Deutschen Theater überzeugen. Und wenn‘s nicht bei der Preisverleihung ist, dann bei seiner nächsten Weihnachtslesung. Ein Muss für alle Fans der Komischen Kunst.

Radio-Comedy-Serie mit Robert Gernhardt

Der Autor, Satiriker und Impulsgeber Pit Knorr wurde 1939 in Salzburg geboren, studierte in den 1960er-Jahren in Heidelberg, wo er ab 1961 beim Kabarett „Das Bügelbrett“ mitwirkte. 1968 bis 1971 war er Redakteur, später Textchef der Satire-Zeitschrift Pardon. 1971 dann als freier Schriftsteller mit Wohnsitz in Frankfurt/Main gründete er mit Wilhelm Genazino die „Autoren Coop”. 1972 produzierte er als erste gemeinsame Radio-Comedy-Serie mit Robert Gernhardt „Dr. Seltsams Sonntagssortiment”, 1973 „Help – ein satirisches Aushilfsmagazin”. 1974 formierte sich die Autorengruppe Gek (Gernhardt / Eilert / Knorr), die in der Folge sämtliche Bühnen- und Fernsehshows, Bücher und Filme von Otto Waalkes verfasste.

1979 wurde das Satiremagazin „Titanic“ gegründet, Knorr war Mitherausgeber und regelmäßiger Autor bis Anfang der 90er-Jahre, sporadischer Autor ist er bis heute. Allein und begleitet ist Knorr bis heute unermüdlich in den Hallen des Landes unterwegs, um die Lehre der Neuen Frankfurter Schule zu verbreiten.

Von Thomas Oppermann

Authored by: Blick Redaktion