Grenzgänger und Entdeckerin
Małgorzata Szejnert und Navid Kermani tragen sich nach der Preisverleihung ins Goldene Buch der Stadt Göttingen ein – unter dem Applaus von Rolf-Georg Köhler (r.) und Michał Zaleski.

Grenzgänger und Entdeckerin

Małgorzata Szejnert und Navid Kermani haben am Sonntag im Deutschen Theater Göttingen den Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis 2018 in Empfang genommen. Er ist mit jeweils 5000 Euro dotiert.

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck fand in seiner Laudatio respektvolle Worte für den Ausgezeichneten, der im vergangenen Jahr sogar als sein Nachfolger im Gespräch gewesen war. Gauck bezeichnete Kermani als „Grenzgänger“. Nicht jeder sei bereit, sich an Grenzen heranzuwagen. Wer dies tue, der setze sich Gefahren aus – und dem müsse Freiheit einfach mehr bedeuten als Sicherheit. Für Gauck sei Kermani wie ein Pfadfinder, der früher als andere wisse, welche Wege gangbar seien. „Der deutsch-polnische Samuel Bogumil Linde hätte für den deutsch-iranischen Navid Kermani ein Wahlverwandter sein können, ein Bruder im Geiste“, adelte Gauck den 50-jährigen.

Die Laudatio auf die zweite Preisträgerin Małgorzata Szejnert hielt mit Adam Michnik der Mitbegründer der Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc“ und Chefredakteur der anerkannten „Gazeta Wyborcza“. „Im schriftstellerischen Werk Szejnerts fällt die große Vielfalt an Themen und Gattungen auf. Der gemeinsame Nenner dabei könnte sein, alles, was versteckt ist, zu entdecken“, so Michnik. Er stellte exemplarisch einige bedeutende Werke der 81-jährigen Journalistin und Schriftstellerin kurz vor. Szejnert habe darin oft den Finger in die Wunde gelegt. Ihre Bücher seien bitter, aber nicht moralisierend. Ihre Arbeit sei stets ein Appell an Wahrheit und Ehrlichkeit gewesen, lobte Michnik.

Göttingen und Thorn:  40 Jahre Freundschaft

Vor der Preisverleihung ging Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) auf die Bedeutung des inzwischen zum 23. Mal gemeinsam von den Partnerstädten Thorn und Göttingen verliehenen Literaturpreises ein. Die Partnerschaft bestehe nun seit 40 Jahren. „Das sind 40 Jahre Freundschaft, deren Beginn keineswegs selbstverständlich war“. Stolz zeigte sich auch Michał Zaleski, Präsident der Stadt Thorn, über die bis heute gebliebene Einzigartigkeit des deutsch-polnischen Literaturpreises, der abwechselnd in Göttingen und Thorn verliehen wird.

Authored by: Blick Redaktion