Studie zur Digitalisierung: Zielgruppe nicht das Problem?
Vor der Präsentation der Forschungsergebnisse im Coworking Space an der Groner Straße (v.l.): Angelika Böttcher, Monika Dürrer und Klaus-Peter Buss.

Studie zur Digitalisierung: Zielgruppe nicht das Problem?

Klaus-Peter Buss vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (Sofi) hat die Ergebnisse einer Studie zur Digitalisierung in kleinen und mittleren Handelsbetrieben vorgestellt.

Die Studie, die aus dem Verbundprojekt „DiHa 4.0 – Digitalisierung im Handel“ entstanden ist, sei nicht repräsentativ. Für seine Arbeit habe er aber ausführliche Gespräche mit 30 Geschäftsführern und Inhabern geführt. Weitere zwölf Gespräche mit Akteuren aus dem Umfeld hätten die Erhebung ergänzt.

Buss sei dabei zu teils überraschenden Erkenntnissen gelangt. So treibe etwa das Kundenverhalten die Digitalisierung des Handels nur „sehr begrenzt“ voran. „In fast allen Expertengesprächen wird die soziale Beziehung zum Kunden betont. Der Onlinehandel bietet anscheinend nur begrenzt Ersatz für die dialogischen und interaktiven Prozesse im stationären Handel“, erläuterte Buss. Kunden würden demnach im stationären Handel etwas suchen, was ihnen der Onlinehandel nicht oder nur schwer bieten kann. Dazu gehöre eine Vorauswahl bei den Produkten, aber auch ganz generell das Einkaufserlebnis vor Ort.

Interessant sei auch gewesen, dass die junge Zielgruppe der „Digital Natives“, die vermeintlich für den stationären Handel bereits verloren sei, gar keine so große Rolle spiele. „Zwei Drittel der Befragten schätzen ihre Hauptkundengruppe auf 35 Jahre und älter“, berichtete Buss.

IT-Probleme scheinen für die befragten Händler nicht die größte Hürde zum Onlinehandel zu sein. Der Pflegeaufwand und der operative Betrieb eines möglichen Onlineshops wurden demnach sehr viel häufiger als Hemmnisse genannt.

Insgesamt habe die Digitalisierung als „schleichender Prozess“ bei den Händlern in der Region längst Einzug gehalten – auch in den angeblich kränkelnden Mittelzentren. Dies betreffe vor allem Backoffice- und Lagerprozesse. Was hingegen oft fehle, sei eine Online-Marketing-Strategie. Einen Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Ausbildung habe fast niemand erkannt. Keines der Unternehmen konnte sich demnach vorstellen, reine E-Commerce-Kaufleute auszubilden.

Authored by: Blick Redaktion