„Sie wollen Provinz,  wir wollen den Aufbruch“
Verleger Gerhard Steidl an der Baugrube für das künftige Kunstquartier.

„Sie wollen Provinz, wir wollen den Aufbruch“

Weiter Diskussion um das Göttinger Kunstquartier: Der Bauausschuss des Rates hat die für den Weiterbau des Galeriehauses benötigte Freigabe von einer Million Euro zunächst vertagt. CDU, Grüne und FDP forderten von der Verwaltung vehement ein Konzept für den Betrieb des Kuquas.

Das eigentliche Thema des Tagesordnungspunktes rückte in der jüngsten Bauausschusssitzung in den Hintergrund. Eigentlich hätte die Verwaltung vom Bauausschuss eine Entscheidung haben wollen, dass die zusätzlichen Baukosten von einer Million Euro für das Galeriehaus im Kunstquartier – gedeckt durch eine Spende des Duderstädter Unternehmers Hans-Georg Näder – im Haushalt der Stadt bereitgestellt werden. Einen Beschluss gab es vom Bauausschuss jedoch nicht. Das Thema soll im Finanzausschuss weiter erörtert werden.

Konzept für den Betrieb fehlt

Näders Spendenbereitschaft stieß aber auf breite Zustimmung im Ausschuss. Stattdessen kreiste die Diskussion um das fehlende Konzept für den Betrieb des Kunstquartiers. Olaf Feuerstein (CDU), Rolf Becker (Grüne) und Felicitas Oldenburg (FDP) nahmen die Verwaltung dafür ins Kreuzfeuer. „Es ist unerklärlich, dass noch kein Konzept dafür vorgelegt worden ist“, sagte Feuerstein. Als stark bedauerlich empfand es Becker, dass die Verwaltung nur Andeutungen macht, was den Betrieb des Kunsthauses und die Finanzierung der laufenden Kosten angeht.

„Das ist keine gute Strategie, wenn man die Bevölkerung begeistern will“, sagte Becker. Oldenburg warnte, dass sich die Stadt ein „überteuertes Betriebskonzept“ nicht leisten könne. Sie fürchtete, dass das Versprechen der Stadtverwaltung, dass es wegen des Kuquas keine Einschnitte bei anderen Kultureinrichtungen geben werde, genauso gehalten werde wie die Zusicherung des Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) „Die Rente ist sicher“. Dezernent Christian Schmetz beteuerte unterdessen, dass die Verwaltung „mit Hochdruck“ an einem Betreiberkonzept arbeitet.

Sartorius hatte sich unlängst dazu bereit erklärt, die Eintrittsgelder für das Kuqua zu finanzieren. Als Sycor-Eigentümer hatte Näder im Tageblatt-Interview in Aussicht gestellt, dass Sycor an anderer Stelle hilft, etwa bei der Technik.

Tom Wedrins (SPD) zeigte sich zunächst verständnisvoll gegenüber den KuQua-Kritikern, nur um dann auszuholen: „Sie wollen Provinz. Wir wollen den Aufbruch“, entgegnete ihnen Wedrins.

Authored by: Blick Redaktion