Neuer Film über das Ebertal und seine Bewohner
Blick auf das künftige Bauprojekt „Grüne Mitte Ebertal“. Über den Stadtteil und seine Bewohner soll nun ein neuer Film entstehen.

Neuer Film über das Ebertal und seine Bewohner

Die Arbeiterwohlfahrt Göttingen will einen neuen Film über das Ebertal auf die Beine stellen. 30 Jahre nach der Dokumentation „Wir Ebertäler“ und kurz vor dem Baubeginn der Arbeiten am Quartier „Neue Mitte Ebertal“ sollen erneut die Bewohner des Stadtteils im Mittelpunkt stehen.

Zum zweiten Mal innerhalb von 50 Jahren wird das Ebertal in den kommenden Jahren quasi neu erfunden. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Göttingen nimmt dies zum Anlass, die neuen Entwicklungen in einem Film zu dokumentieren. Finanzielle Unterstützung erhielt sie nun von der Göttinger Kulturstiftung. „Das Filmprojekt kann jetzt starten“, berichtet Ulrike Witt, Vorsitzende des Awo-Ortsvereins Göttingen.

Der letzte Film über das Göttinger Ebertal ist 30 Jahre hat und war damals als Projekt des Pädagogischen Seminars entstanden.

In „Wir Ebertäler“ kamen die Bewohner zu Wort, aber auch die Planer. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten waren die neuen Häuser allerdings schon 20 Jahre alt. „Einige vermissten die Baracken der alten Siedlung. Andere wussten den modernen Komfort zu schätzen“, berichtet Witt. Der Awo-Ortsverein habe den Film vor einiger Zeit digitalisieren lassen; inzwischen sei er auch ins Internet gestellt worden. Auf gturl.de/ebertalfilm ist „Wir Ebertäler“ vollständig zu sehen.

Abschied von einem Stadtteil

Nun soll also ein neuer Film entstehen, der wiederum den Stadtteil und seine Bewohner zum Thema macht. „Die Menschen vor Ort“, so Peter Limpke vom Vorstand des Awo-Ortsvereins, „sollen mit dem Film Gelegenheit bekommen, sich von ihrem Stadtteil zu verabschieden. Denn ab 2019 wird hier fast alles neu.“ Für die Umsetzung ist Filmemacher Thomas Kirchberg von der Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Film zuständig. Er ruft auf: „Wir suchen Freiwillige jeden Alters, die Lust auf Film haben. Bei uns kann man da einiges lernen.“ Ein kleines Team soll es werden, das ein Jahr lang regelmäßig zusammenkommen wird.

„Wir freuen uns, wenn auch Menschen, die im Ebertal wohnen, mitmachen,“ so Michael Höfer. Seine Großeltern lebten noch in der alten Barackensiedlung. Jetzt engagiert er sich im Filmbeirat, der das Projekt begleiten wird und sich kürzlich zum ersten Mal im Awo-Häuschen am Lönsweg getroffen hat. Mit im Beirat ist auch Sabrina Richter, Awo-Quartiersmanagerin. Sie ist sich sicher, dass die Filmemacher im Viertel Gesprächspartner finden werden. „Ohne die Menschen im Ebertal geht gar nichts“, betont sie. Während des „Tages des offenen Awo-Häuschens“ am 18. August (siehe Extra-Text) soll für den Film die Werbetrommel gerührt werden. Wer jetzt schon mehr zum Projekt wissen möchte, kann sich direkt an Kirchberg wenden, Telefon: 05 51/ 49 56 97 10, E-Mail: kirchberg@lag-jugend-und-film.de.

Künftig 600 Wohnungen im Quartier

Die „Grüne Mitte Ebertal“ gilt mit einem Investitionsvolumen von 120 Millionen Euro als das derzeit größte Projekt der Städtischen Wohnungsbau (SWB) Göttingen. Es hat die Neuentwicklung des Gebietes zwischen Steinsgraben, Wörthstraße und Görlitzer Straße zum Ziel. Dort will die SWB in den kommenden Jahren ihren gesamten Wohnungsbestand sanieren. Er soll von derzeit 454 auf etwa 600 Wohnungen anwachsen. Schon jetzt wohnen mehr als 1000 Menschen im Quartier. „Auf der Nordseite des Steinsgrabens wird der größte Teil im Bestand saniert. Auf der Südseite werden wir fast ausschließlich mit Neubau und Abriss sanieren können“, heißt es in einer Mitteilung der Gesellschaft. Der dortige Bestand sei überwiegend mit einem Ende der 60er-Jahre neu entwickelten Baustein gebaut worden, der allerdings große Nachteile hinsichtlich Schallschutz und Kälteübertragung aufweise. Die Sanierung im Bestand ergebe daher keinen Sinn, weshalb die Wohnungen hier nach heutigen Standards neu gebaut werden sollen. Der Baubeginn ist für 2019 geplant. Entstehen soll ein „attraktives Wohngebiet mit qualitätvollen Freiräumen zwischen den modernen Gebäuden mit überwiegend barrierefreien Wohnungen.“

In mehrere Veranstaltungen haben die Stadt Göttingen und die SWB über die Pläne informiert. Die Stadt bemüht sich für das Gebiet auch um Fördermittel aus dem Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“. Laut Verwaltung belaufen sich die Kosten für geplante Maßnahmen im Ebertal in den Jahren 2019 bis 2029 auf 12,1 Millionen Euro; 10,3 Millionen Euro davon förderfähig.

Von Markus Riese

Authored by: Blick Redaktion