Auch Olinde ist nun ein Exponat
Museumsleiter Frank Frühling (r.) und Steffen Wiegmann, wissenschaftlicher Leiter und Kurator der Sonderausstellung. Foto: Riese

Auch Olinde ist nun ein Exponat

Friedland. Das Museum Friedland hat am Sonnabend, 11. August, die Sonderausstellung „… Entscheidend ist auf dem Platz!“ eröffnet. Sie befasst sich mit dem Zusammenspiel von Sport und Integration und soll bis zum Sommer 2019 in der Nissenhütte des Grenzdurchgangslagers Friedland gezeigt werden.
„Durch Mesut Özil ist diese Frage, wie Sport und Integration zusammenwirken können, gerade wieder sehr aktuell geworden“, so Museumsleiter Frank Frühling bei der Vorstellung am Dienstag. „Sport schafft Räume, die für Integration nutzbar sind“, so sieht es Steffen Wiegmann, wissenschaftliche Leiter und Kurator der Ausstellung.
Der Titel, ein Zitat des früheren Fußballtrainers Adi Preißler, sei sehr bewusst ausgewählt worden. „Der Sport schafft einen Rahmen, in dem sich Menschen begegnen, sich einander zugehörig fühlen“, beschreibt Eva Völker, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Museums verantwortlich zeichnet.
Bei der Integration hingegen werde ein Spiel gespielt, dessen Regeln nicht immer sichtbar seien. Häufig handele es sich um einen langwierigen Prozess, dessen Anfang und Ende, Qualitäten und Eigenschaften nur subjektiv beurteilt werden könnten. Laut Wiegmann sei im Hinblick auf erfolgreiche Integration durch Sport das entscheidend, was tatsächlich geschehe – nämlich „Begegnung und Auseinandersetzung, Gemeinschaftsgefühl und Konkurrenz, Kritik und Verständnis“. Die Ausstellung soll hinterfragen, wie Integration durch Sport wirklich gelingen kann. Welche Rollen spielen dabei das Geschlecht, die Leistung oder auch die Frage, wie Menschen sozialisiert wurden? Hierfür bietet die in zwei Bereiche aufgeteilte Schau – „Spielfeld“ und „Umkleidekabine“ – verschiedene Vitriten, Schautafeln und Stelen. Die Gestaltung wirkt detailverliebt: So ähnelt der Fußboden des „Spielfeldes“ dem einer typischen Sporthalle. Aufgegriffen werden verschiedene Themen, Thesen und Biografien – unter anderem von Fußballspieler Sergej Evljuskin (Hessen Kassel), oder auch vom einstigen Göttinger Basketballprofi Wilbert Olinde. „Er hat nicht die Anfeindungen erlebt wie zum Beispiel Jimmy Hartwig, aber auch gegen den damals einzigen farbigen Spieler Olinde gab es Schmierereien an der früheren Godehardhalle“, so Wiegmann.
In der „Umkleidekabine“ warten digitale Ausstellungselemente hinter den Spindtüren, darunter ein Film und verschiedene Audio-Dokumente. Auf dem „Spielfeld“ hingegen sind einige Originale zu sehen, allerdings auch Repliken. „Die Fritz-Walter-Medaille von Sergej Evljuskin können wir zum Beispiel wegen der klimatischen Bedingungen in der Nissenhütte nicht im Original zeigen“, erklärt Frühling. „Auch deshalb freuen wir uns sehr auf die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts des Museums“, schiebt er hinterher – davon ausgehend, dass dieser wahrscheinlich erst 2022 eröffnet werden kann.
Am Sonnabend war der Eintritt zur Ausstellung frei, ab jetzt wird die Nissenhütte zu den regulären Öffnungszeiten des Museums zugänglich sein. „Wer eine Eintrittskarte für das Museum erwirbt, kann dann auch zusätzlich die Sonderausstellung anschauen“, so Völker. mr

Bildergalerie und Infos zum weiteren Museums-Programm: gturl.de/sportausstellung

Authored by: Blick Redaktion