Mozarts „Zauberflöte“ in besonderem Licht
Die Zauberflöte bei Nacht auf der Waldbühne Bremke. Papageno gespielt von Rick Leander Stiller und Prinz Tamino gespielt von Rosanne Gianna Stiller. Foto: Kracht

Mozarts „Zauberflöte“ in besonderem Licht

Bremke. „Die Zauberflöte“ ist am Sonnabend auf der Waldbühne Bremke in einem völlig neuen Licht erschienen. Das Ensemble zeigte die von Rick Leander Stiller umgeschriebene Mozart-Oper vor 631 Zuschauern in einer speziellen Nachtvorstellung.
Die Zuschauer erlebten eine beeindruckende Mischung aus Schauspiel, Gesang, Illusionskunst und magischen Lichtkompositionen. Noch mystischer und sphärischer wirkte die Waldbühne bereits bei Einbruch der Dunkelheit. LED-Lichterschlangen wiesen den Weg in den Zuschauerraum, umrahmten den Bereich und ergänzten die vorhandene Beleuchtung. Auf der Bühne entstanden besondere Hingucker, indem sie in dramatischen Situationen kurz aufleuchteten.
LED-Lichter waren auch auf Kostümen vieler Darsteller befestigt. Im Zusammenspiel mit fluoreszierenden Effekten sorgten sie für eindrucksvolle Auftritte. Das Bühnenbild, zu dem auch eine große Pyramide gehörte, wurde während der gesamten Aufführung in wechselndes Licht getaucht. Drei Verfolger-Spots dienten dazu, die Blicke der Zuschauer zu fokussieren und Szenen der märchenhaften Inszenierung hervorzuheben. Die eingesetzten Farbtöne unterstrichen auch Charakterzüge der Rollen und ließen die Emotionalität der Inhalte leichter verstehen. So erschien das Mondland in einer kalten blauen Farbe und die Sonnennation in einer warmen goldenen Farbe. Zur besonderen Atmosphäre und Magie trugen die Zuschauer mit Knicklichtern bei.
Im Gegensatz zur Nachmittagsaufführung kommunizierten die Darsteller häufiger mit dem Publikum, außerdem improvisierten sie mehr und wichen häufiger vom Text ab. Die Inhalte waren dann teilweise etwas frivoler als von den Nachmittagsvorstellungen gewohnt. Um dem höheren Alter der Zuschauer gerecht zu werden, ergänzte ein Erwachsenensoldat die Kindersoldaten, die Königin der Meerjungfrauen Ariana wurde statt eines Mädchens von einer Erwachsenen gespielt.

Königin der Nacht

Das Libretto von Emanuel Schikaneder, sozusagen das ursprüngliche Drehbuch der Oper, hat Autor Stiller umgeschrieben und mit einer etwas anderen Rahmenhandlung versehen. In Stillers Fassung geht es um die beiden Königreiche von Sarastro (die Sonnennation) und der Königin der Nacht (das Königreich des Mondes) und um die Sonnenkreise, die ihrem jeweiligen Besitzer große Macht verleihen. Und natürlich um die Liebe. „Wir versuchen durch das Licht das Theaterstück so zu unterstützen, dass die Magie von Mozarts Zauberflöte auch auf das Publikum überspringt“, erklärte Regisseurin und künstlerische Leiterin Silvie Stiller das Konzept der Illumination. „Das scheint zu funktionieren“, sagte sie sichtlich zufrieden. Und dies war offenbar auch die Meinung der Zuschauer, die kräftigen Beifall spendeten.
„Es ist unsere erste Aufführung bei Nacht“, sagte der Vorsitzende des Vereins Waldbühne Bremke, Horst Fädrich, und erinnerte daran, dass die Bühne in der nächsten Saison ihr 70-jährige Bestehen feiert. „Wir wollten jetzt zeigen, dass wir mehr können als nur Grimm-Märchen spielen und in diesem Jahr etwas anderes probieren“, begründete er die Entscheidung, in der Spielzeit 2018 das umgearbeitete Mozart-Stück zu zeigen.
Die Besucherzahlen machen deutlich, dass die Entscheidung offenbar richtig gewesen sei. Rund 250 Besucher seien bislang im Schnitt pro Aufführung zur Waldbühne gekommen. Die Gäste stammten aus dem gesamten Bundesgebiet, berichtet Fädrich und nannte Hannover, Frankfurt und Dresden als einige der Anreiseorte. Fädrich deutete an, dass es im September eine weitere Nachtvorstellung geben werde, die Nachmittagsvorstellungen könnten bis zum 23. September jeweils sonntags um 15 Uhr besucht werden. art

Authored by: Blick Redaktion