30 Jahre Verein „Neue Chance“
Petra Heinemann und Anne Funk (v. l.)

30 Jahre Verein „Neue Chance“

30 Jahre gibt es den Verein „Neue Chance“ in Göttingen. Er bietet Menschenambulant betreutes Wohnen im Rahmen der Straffälligen- und Suchthilfe. Am 31. August soll das Bestehen entsprechend gefeiert werden.

Pastor Helmgard Ungerer, der in vielen Funktionen seelsorgerisch, sozial und politisch in Göttingen tätig war, gründete damals die Einrichtung, wollte sie als Anlaufstelle wissen, an die sich Haftentlassene in Krisen wenden könnten. Die „Neue Chance“ wechselte ein paar Mal den Standort, ehe sie jetzt in Grone „Gotteslager 12“ beheimatet ist.

Finanziert wird die Wohneinrichtung über die Eingliederungshilfe. Insgesamt 17 Wohnplätze gibt es. 13 Einzelzimmer im eigenen Haus, pro Etage eine Küche und ein Bad, eine separate Wohnung im selben Stadtteil sowie eine Drei-Zimmer-Wohnung, insbesondere für berufstätige Klienten. Voraussetzung, ein solches Zimmer zu bekommen, ist, dass die ambulante Betreuung mit in Anspruch genommen wird. „Es ist eine Sozialisierung geplant“, erklärt Petra Heinemann, Sozialpädagogin und Leiterin der Einrichtung. Seit 1988 ist sie als hauptamtliche Mitarbeiterin mit an Bord, hat in ihrer langen Zeit beim Verein einiges erlebt.

Die Klienten der Einrichtung werden von ihr und ihren beiden Mitarbeiterinnen Anne Funk und Irmgard Penk unterstützt. Betreut werden Menschen, die aus der Haft entlassen werden, Menschen mit erheblichen Suchtproblemen, Menschen, die von Straffälligkeit bedroht sind sowie solche mit schwerwiegenden sozialen und seelischen Problemen. Betreuungs-Schwerpunkte sind Gruppen- und Einzelgespräche, psychosoziale Begleitung bei Drogen- und Alkoholabhängigkeit, die Geldverwaltung, Hilfe im Umgang mit Behörden, Schuldenregulierung, Hilfe und Unterstützung in Krisen, Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, Förderung von Schul- und Berufsausbildung und Freizeitangebote. „Wir versuchen die Leute zu stabilisieren. Drei Jahre können sie hier wohnen. Wenn sie ausgezogen sind, dann ist eine ambulante Betreuung noch möglich“, erläutert Heinemann.

Hausordnung und Fristen

In der Einrichtung gibt es eine ganz normale Kündigungsfrist. Und natürlich auch eine Hausordnung. „Wer dagegen verstößt, den müssen wir rausschmeißen“, sagt die Leiterin zu den ganz klaren Vorgaben. Streit und daraus resultierende Polizeieinsätze kommen nicht so selten vor. Dennoch lassen die Verantwortlichen in ihren Bemühungen nicht nach. „Unser Ziel ist es, eine gute Beziehung aufzubauen.“

„Ich arbeite total gern mit Menschen, die keine Lobby haben. Es gibt einfach keinen, der sich für sie stark macht“, erklärt Funk ihre Sicht auf ihre Arbeit. Sie und ihre Kolleginnen begegnen den Menschen in der Einrichtung völlig unvoreingenommen, versuchen ihnen auch ein Stück Selbstwertgefühl wiederzugeben. „Die glauben auch nicht an sich selbst, haben meistens kein so schönes Leben bisher gehabt.“

Um es ein wenig schöner zu machen, gibt es einmal pro Woche ein gemeinsames Frühstück. Die Teilnahme läuft auf freiwilliger Basis ab. Das Angebot wird aber recht gut angenommen, denn einige Bewohner sehen die drei Frauen durchaus als ihre Familie an.

Deswegen wünscht sich der Verein auch ein harmonisches Miteinander am Freitag, 31. August. Ab 11.30 Uhr geht es los. Unter anderem hat Sozialdezernentin Petra Broistedt ihr Kommen zugesagt. Für die musikalische Begleitung ist gesorgt und auch das Deutsche Theater ist mit einer Lesung dabei.

von Vicki Schwarze

Authored by: Blick Redaktion