Kein Super-Umsatz im Super-Sommer
In Göttingen haben die Kunden im heißen Sommer 2018 eher auf einen Einkaufsbummel verzichtet, wie Experten beobachtet haben. Bildquelle: R / Pixabay

Kein Super-Umsatz im Super-Sommer

Für die Einzelhändler in Göttingen und Südniedersachsen war der Sommer 2018 schlichtweg zu heiß. Besonders in den Monaten Juli im August machte sich das auch an den Umsatzzahlen bemerkbar – wie Alexander Grosse, Kreisvorsitzender des Handelsverbands Hannover, berichtet.

„Einkaufsbummel bei 38 Grad macht keinen Spaß“

Durch die Ferienzeit in den Sommermonaten seien traditionell sowieso schon weniger Kunden unterwegs als in den anderen Monaten des Jahres. „Durch die ungewöhnlich starke Hitze in diesem Jahr hat sich dieser Trend noch verstärkt, und es haben sich etwas weniger Menschen in die stationären Geschäfte eingefunden als sommerbedingt üblich“, sagt Grosse, der auch Geschäftsführer des Schreibwaren-Fachgeschäfts Wiederholdt an der Göttinger Prinzenstraße ist. Und er ergänzt: „Bei 38 Grad macht ein Einkaufsbummel einfach keinen Spaß.“

Bis Juni sei die Stimmung im Handel laut Grosse im Allgemeinen gut gewesen; durch die Hitzeperiode in den beiden folgenden Monaten sei diese allerdings merklich abgeflaut. Von dem ungewöhnlich heißen Wetter im Juli und August hätten Freibäder und Eisdielen profitiert, der Textilien- und Schuheinzelhandel weise hingegen einen eher geringeren Umsatz als im Vorjahr aus.

Selbst Cafés leiden unter dem heißen Sommer

Frederike Breyer, Geschäftsführerin der Interessenvertretung Pro City, bestätigt Grosses Einschätzungen. „In diesem Sommer gab es für den Großteil des Einzelhandels kein Supergeschäft“, resümiert sie für die Göttinger Innenstadt. Die Frequenz in der City sei noch geringer gewesen als üblich. Auch sie hat beobachtet: „Die Menschen zog es in die Freibäder, oder sie blieben im kühlen Zuhause.“ Je wärmer es sei, desto weniger Spaß mache es den Menschen, im Textilhandel etwas anzuprobieren. „Selbst Cafés und die Gastronomie hatten durch den extrem warmen Sommer ausbleibende Besucher, die den Weg in die heiße Innenstadt gescheut haben“, so Breyers Beobachtung. Und sie hat auch eine Erklärung hierfür: „Besonders lang anhaltende Wetterphänomene führen dazu, dass Besucher sich umstellen. In den heißen Wochen und bei lang anhaltendem Regen meiden sie einen Stadtbummel.“

Shopping: Herbstgeschäft kommt zeitversetzt in Gang

Frühlingswetter nutze man hingegen gerne für einen ausgedehnten Stadtbummel inklusive Besuch der Gastronomie, erläutert Breyer, die ein wenig zweckoptimistisch anfügt: „Nun schauen wir nach vorne und hoffen auf einen goldenen Herbst und ein winterliches Wetter, das Lust macht, zu uns zu kommen und einzukaufen.“

Dass das speziell im Winter noch wichtig werden könnte, zeigen die Zahlen, die Grosse im Hinblick auf saisonale Umsatzanteile nennt: „Die Sommermonate machen üblicherweise, trotz etwas geringerer Kundenzahlen, einen durchschnittlichen Umsatz von acht Prozent des Jahresumsatzes aus. Im Vergleich dazu liegt der Dezember bei knapp zehn Prozent des gesamten Umsatzes“, erläutert der Experte.

„Das Freibad und die Eiscafés sind ganz klar die Gewinner des Sommers“, berichtet auch Anka-Maria Walther vom Treffpunkt Stadtmarketing Duderstadt. Ob die große Hitze der Monate Juli und August den Duderstädter Händlern eher genutzt oder geschadet hat, vermag sie nicht pauschal zu beurteilen: „Das ist für den Einzelhandel sehr unterschiedlich zu bewerten. Während in den Sommermonaten kein deutlicher Unterschied zu erkennen war, so ist doch das Herbstgeschäft erst zeitversetzt in Gang gekommen“, erläutert die Fachfrau. 

Bundesweiter Trend eher positiv

Prinzipiell sei der Einzelhandel nach Angaben von Walther immer wetterabhängig: „Das Wetter beeinflusst das Kaufverhalten. Bei hohen Temperaturen und sonnigem Wetter sind Getränkelieferanten sehr gefragt – Regenschirme verkauft man eher weniger“, beschreibt sie. Nicht planbaren Einflüssen wie extremen Wetterphänomenen könne man durchaus begegnen: „Ein Stadtmarketing kann durch gemeinsame Aktionen, Werbung und Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Äpfel- und Birnenmarkt dagegenhalten“, erklärt Walther.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich der Umsatz im heißen Sommer 2018 bundesweit eher positiv entwickelt. So habe der Einzelhandelsumsatz in den Monaten Juli (plus 0,8 Prozent) und August (plus 1,6 Prozent) preisbereinigt sogar höher gelegen als im jeweiligen Vorjahresmonat.

mr

Authored by: Blick Redaktion