Die Tangente schließt
Der legendäre Tunnel zur Diskothek. Foto: Hinzmann

Die Tangente schließt

Tinder statt Theke, Download statt Disko: Ist Ausgehen nicht mehr angesagt? In Göttingen schließt nach 37 Jahren ein Traditions-Club. Ende des Jahres ist Schluss in der Tangente an der Goetheallee.

„Ein nicht zu ersetzender Verlust”, sagt Klaus Wißmann vom Verein Kreuzberg on Kultour. „Natürlich werden wir uns zu gegebener Zeit noch einmal dazu äußern. Wir würden uns freuen, in den verbleibenden drei Monaten noch mehrfach und zünftig Abschied von einander feiern zu können”, teilt das Team auf der Facebookseite der Tangente mit. Die Gründe sind offenbar vielschichtig. Zum einen, so bestätigt ein Sprecher aus dem Team der Tangente, sei die Nachfrage nach abendlicher Unterhaltung in Clubs unter den jungen Leuten längst nicht mehr so groß wie in früheren Jahren. Zum anderen sei die Indie-Szene in Göttingen, deren Treffpunkt der Club war, kaum mehr vorhanden – und in die Jahre gekommen. Die Mottopartys sind immer noch der Treffpunkt für viele, aber meist nur am Wochenende. Um konzeptionell und räumlich neu durchzustarten, seinen „früher oder später” kräftige Investitionen nötig.

Die veränderte Ausgehkultur der jungen Göttinger beobachtet auch Dani El Eid vom JT-Keller. Der Club im Untergeschoss des Jungen Theaters ist bereits seit 15 Jahren Anlaufpunkt im Göttinger Nachtleben – auch für viele Studierende. „Wir haben auf jeden Fall noch bis zu Beginn des Umbaus im Sommer 2019 geöffnet”, so El Eid weiter. Dann wird das komplette Otfried-Müller-Haus nebst Jungem Theater und Wochenmarkt saniert. Eine Baumaßnahme, die den Betrieb für längere Zeit lahmlegt. Der JT-Keller hat einen Mietvertrag bis 2024. Das Gebäude gehört der Stadt. Ob dort auch nach dem Umbau weiterhin ein Club vorgesehen ist, das sei noch nicht klar. „Die Betreiber führen darüber derzeit Gespräche”, so Stadt-Pressesprecher Dominik Kimyon. „Den Mietvertrag wollen wir gerne erfüllen“, sagt El Eid.

Wißmann bedauert auch, dass mit der Tangente eine weitere Live-Spielstätte in der Innenstadt wegfällt. „Das ist ein noch größerer Verlust als die Schließung des Blue Note”, meint er. Ein Grund für dieses Liveclub-Sterben sei die fehlende Kulturförderung für einige Lokale. Auch viele Gäste bedauern die geplante Schließung: Kirsten Meyer schreibt: „Die Tangente gehört einfach zu Göttingen. … unvorstellbar, dass Sie nicht mehr da sein soll.“

bib

Authored by: Blick Redaktion