Ortsschild mit  Aha-Effekt
Frust über Internetkäufe: Einzelhändler haben eine Ortsschild Aktion ins Leben gerufen. Initatoren sind Bernd Boland und seine Frau Roswita vom Foto-Team in der Langen-Geismar-Straße.

Ortsschild mit Aha-Effekt

it einer Art Poster an der Ladentür, das wie ein Göttinger Ortsschild aussieht, will Innenstadt-Händler Bernd Boland auf die Tücken des Online-Handels und die Vorteile stationärer Geschäfte aufmerksam machen. Unter dem Wort „Göttingen“ ist zusätzlich zu lesen: „Kaufe in Deiner Stadt, damit sie eine Zukunft hat.“

Boland betreibt das Fachgeschäfts „Fototeam Boland“ an der Langen-Geismar-Straße. Seit fast 30 Jahren ist er damit in Göttingen am Markt. Ein Phänomen habe er zuletzt immer häufiger beobachtet: „Online bestellte Druckformate sind nicht immer kompatibel mit Rahmengrößen, wenn später vor Ort im Fachgeschäft gerahmt werden soll“, sagt Boland. Dies betreffe etwa preiswerte Leinenposterdrucke: „Sie werden häufig online bestellt, gedruckt und als Rolle ungerahmt versendet“, weiß der Fachhändler. Wenn Kunden damit zu ihm in den Laden kommen, könne er oft nicht helfen – weil das Format für eine Rahmung nicht passe. Solche Fälle würden sich häufen. Trotz oft undurchsichtiger Preisgestaltung und versteckter Zusatzkosten würden aber immer mehr Menschen online bestellen, was letztlich auch die Existenz der örtlichen Anbieter bedrohe.

Rückkehr zum Fachhandel

Um auf all diese Probleme aufmerksam zu machen, sei Boland die Idee mit dem Ortsschild gekommen. Es soll nicht nur die eigenen Kunden, sondern auch Passanten zum Nachdenken bewegen. Speziell diejenigen, die mit Online-Händlern negative Erfahrungen gemacht hätten, kämen inzwischen auch wieder verstärkt zu ihm in den Laden: „Der persönliche Kontakt und die persönliche Beratung stehen wieder hoch im Kurs und können vom Online-Handel noch lange nicht ersetzt werden“, so der Fachhändler.

Gleich nebenan betreibt Eugen Schwarzrock das Teehaus Kluntje. Als er vor einigen Wochen das Schild bei seinem Nachbarn sah, war er sofort begeistert: „Ich habe Herrn Boland gebeten, mir auch eines zu drucken“, berichtet Schwarzrock. Dasselbe Motiv hängt seither auch in seiner Ladentür. „Manchmal kommen Menschen ins Geschäft, um uns einfach zu dieser Aktion zu gratulieren“, freut er sich über die Resonanz. Auch im Teehandel sei inzwischen ein deutlicher Online-Trend erkennbar – obwohl es im Internet ja nicht möglich sei, vor dem Kauf zum Beispiel an einem Tee zu riechen.

Idee zur Kampagne machen

Boland würde seine Idee nun gern zu einer Kampagne ausweiten: „Wenn sich ein Sponsor findet, der die Schilder in größerer Stückzahl drucken kann, könnten sich mehr Händler beteiligen und das Motiv in verschiedenen Formaten auch gern verkaufen. Mit dem Erlös könnte zum Beispiel das Elternhaus für das krebskranke Kind oder die Palliativstation unterstützt werden.“
Susanne Heller, Vorsitzende des Vereins Pro City, begrüßt die Initiative: „Es ist immer lobenswert, wenn sich Händler dafür engagieren, die Attraktivität des Innenstadtbesuch und des stationären Handels herauszustellen“, findet die Inhaberin eines Bettengeschäfts.

mr

Authored by: Blick Redaktion