Chancen für Duderstadt und den ÖPNV
Der ZOB in Duderstadt – von hier aus wird der Schnellbus in Richtung Göttingen starten. Foto: Eichner-Ramm

Chancen für Duderstadt und den ÖPNV

Die Schnellbuslinie, die ab April 2019 Duderstadt, Ebergötzen und Göttingen verbindet, wird in Duderstadt begrüßt. Wichtig für die Akzeptanz seien ein verlässlicher Takt und vor allem der Preis.

„Wir haben als Mittelzentrum keinen Gleisanschluss“, sagte Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte während der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses im Rückblick auf die „unzähligen“ Bemühungen von Rat und Verwaltung um den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im ländlichen Raum. Das hat sich inzwischen ins Positive gekehrt. Zwar hat die Stadt immer noch keinen Gleisanschluss und wird wohl so schnell keinen bekommen. Aber genau deshalb fördert das Land Niedersachsen eine Schnellbuslinie von Duderstadt über Ebergötzen nach Göttingen. Damit verbunden sind auch Chancen der Weiterentwicklung des ÖPNV-Angebots. „Es tun sich neue Themen auf“, die gut für Duderstadt und die Menschen in der Region sind, sagte Nolte zusammenfassend. Der Umbau des Zentralen Omnibusbahnhofs, vor wenigen Wochen erst im selben Gremium Thema, wäre eines.

Am Dienstag hatten die Ausschussmitglieder den Geschäftsführer des Zweckverbands Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN), Michael Frömming, zu Gast. Er informierte über die sogenannte „landesbedeutsame Buslinie Göttingen – Duderstadt“, die am 1. April 2019 ihren Betrieb aufnehmen soll. Im Januar vergangenen Jahres, so ging Frömming auf die Vorgeschichte ein, habe das Land die Finanzierung solcher Buslinien als Ergänzung zum Schienenpersonennahverkehr (SPNV) auf den Weg gebracht. 20 Millionen Euro stehen insgesamt für den Aufbau neuer Angebote, darunter auch die Reaktivierung von Schienenstrecken, zur Verfügung. Die Landkreise Göttingen und Northeim bekommen laut Frömmings Ausführungen aus dem Fördertopf 1,6 Millionen Euro. Davon stehe für den Landkreis Göttingen und damit die Schnellbuslinie Duderstadt – Göttingen eine Million Euro zur Verfügung.

Der Schnellbus soll eine Ergänzung des bestehenden Angebots sein und den Bewohnern des ländlichen Raums den Anschluss an die Bahnhaltepunkte sichern, erläuterte der ZVSN-Verbandsgeschäftsführer die Fördervoraussetzungen. Auch gebe es klare Vorgaben an die Betriebszeiten und den Fahrplan. Zwischen dem Mittelzentrum Duderstadt und dem Oberzentrum Göttingen mit Umsteige-Haltepunkt in Ebergötzen soll es ab April 2019 täglich von 5 bis 23 Uhr einen Ein-Stunden-Takt geben. Der Fahrplan werde derzeit noch mit den anderen Nahverkehrsunternehmen wie zum Beispiel der RBB oder der Deutschen Bahn abgestimmt, sagte Frömming.

In 45 Minuten nach Göttingen

Auch liefen zurzeit noch Gespräche über Halte in Duderstadt im Umfeld der Firma Ottobock, in Göttingen soll der Schnellbus am Klinikum stoppen. Über die Umsteige-Haltestelle in Ebergötzen hinaus, die derzeit ausausgebaut werde, sind keine weitere vorgesehen, betonte Frömming – auch wenn entsprechende Wünsche geäußert worden seien. Die Reisezeit des Schnellbusses wird mit 45 Minuten vom Duderstädter ZOB bis zum Göttinger Bahnhof angepeilt. Allerdings, so wiesen die Ausschussmitglieder hin, bestehe zu den Stoßzeiten ein hohes Stau-Risiko, wovon auch der Schnellbus betroffen wäre.

An Werktagen pendeln täglich etwa 1200 Menschen in beide Richtungen. „Genau diese Kunden wollen wir haben“, sagte Frömming. Ziel sei es, dadurch Staus zu vermeiden. Gerade die Pendlerströme zu den großen Firmen böten ein erhebliches Potenzial, sagte Lothar Dinges (WDB). Aber die Attraktivität des Angebots hänge von der Schnelligkeit und der Verlässlichkeit ab. Der Preis spielt aus Sicht von Hans-Georg Schwedhelm (Wahlvorschlag Grüne) und Beate Sommerfeld (CDU) eine wesentliche Rolle. Die Tarifgestaltung sei nicht allein Sache des ZVSN, erläuterte Frömming. Klar sei aber, dass der ÖPNV auf fast allen Strecken zu teuer sei. „Wir wollen das ändern“, kündigte er an, doch die Umsetzung von Überlegungen zu Fünf-Euro-Ticket, Sozialticket, Fahrkarten für Touristen oder Monatskarten dauerten noch bis Anfang 2020. „Schneller geht das nicht.“ Auch müsse über die Refinanzierung geredet werden.

Mit ihrem einstimmigen Empfehlungsbeschluss begrüßen die Ausschussmitglieder die Einführung der Schnellbuslinie zum 1. April 2019. In Bezug auf die Tarifgestaltung wird appelliert, einen ersten spürbaren Schritt zu einer akzeptablen Preisgestaltung zu leisten. Und schließlich soll sich die Stadt verstärkt mit der Planung zur Umgestaltung des Duderstädter ZOB einbringen, um die Akzeptanz des ÖPNV zu fördern.

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Authored by: Blick Redaktion