Albatrosse fliegen zu hoch
G-Kapitän Michael Stockton (r.) wird in dieser Szene vom Berliner Jonas Mattisseck (9) attackiert. Foto: dpa

Albatrosse fliegen zu hoch

Berlin. Bevor sie in ihren Teambus einstiegen, hatten sich die BG-Spieler noch mal vor der riesigen Halle sehen lassen. Sie schlenderten über den Mercedes Platz mit seinen Wasserspielen – auf andere Gedanken kommen, die Pleite aus den Klamotten kriegen.
Was über die Veilchen beim aktuellen Team der Stunde aus der Bundeshauptstadt zu Beginn der Partie hereingebrochen war, war nicht weniger als eine Demonstration der Stärke. Die Albatrosse machten in der heimischen Halle einfach da weiter, wo sie beim vielbeachteten internationalen Auftritt in Krasnodar aufgehört hatten. Wer gedacht hatte, dass die BG mit ihrer kleinen Siegesserie von fünf Erfolgen in Serie (die Pokalpartie gegen Ludwigsburg mitgerechnet) auch in Berlin eine Chance haben könnte, wurde auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt – die Berliner präsentierten sich insbesondere im ersten Viertel, das mit 29:10 an den Gastgeber ging, in jeder Hinsicht um eine Klasse besser.

„Ich hätte mir mehr Körperlichkeit gewünscht.“
Insbesondere unter den Körben sah Göttingen kein Land. Die Statistik des ersten Viertels spricht Bände: Alba holte 14 Rebounds, die BG gerade einmal zwei. Teilweise wurden die Göttinger Spieler beim Zug zum Korb einfach mal zur Seite geschoben. In der Pressekonferenz sagte BG-Headcoach Johan Roijakkers: „Ich hätte mir mehr Körperlichkeit gewünscht.“
Dazu kam, dass bei Alba viele Würfe fielen und bei der BG nicht. Nicht nur einmal lugte ein Dreier-Versuch von Andric ganz tief in die Reuse, nur um dann wieder herauszuspringen. Und auf der anderen Seite? Da tänzelt Chapmans Versuch wie beim Flipper ein paarmal auf dem Ring, um dann doch der Schwerkraft nachzugeben und stur den direkten Weg nach unten zu suchen.
Der Gastgeber schlug letztlich das Kapitel des BG-Gastspiels in Berlin empathiefrei zu, der lange verletzte Clifford wurde bei seiner Hereinnahme von den Fans gefeiert. Ein schwarzer Abend für das Team von Johan Roijakkers – wäre da nicht das dritte Viertel gewesen.

Starke Schlussrunde
Die BG war selbstbewusst und zielgerichtet aus der Kabine gekommen, hatte endlich mal getroffen und den Durchgang mit sage und schreibe 32:23 deutlich für sich entschieden – eine Tatsache, die am Ende Alba-Coach „Aito“ Garcia Reneses merklich ärgerte: „Dass wir im dritten Viertel 32 Punkte zugelassen haben, war der einzige Fehler meines Teams heute“, sagte der Spanier in der anschließenden Pressekonferenz.

Von Eduard Warda

Authored by: Blick Redaktion