Marktbeschicker geben auf

Marktbeschicker geben auf

Göttingen. Das Ehepaar Astrid und Karl-Heinz Traba hat seit mehr als 60 Jahren auf dem Göttinger Wochenmarkt einen Verkaufsstand betrieben. Nun mussten die beiden Marktbeschicker aus gesundheitlichen Gründen ihr Geschäft aufgeben.
„Ich habe den Markt geliebt“, sagt Astrid über ihre Arbeit. Bereits 1954 im Alter von 15 Jahren, direkt nach der Schule, half sie ihrem Vater beim Verkaufen auf dem Göttinger Wochenmarkt. Astrids Familie flüchtete aus den ehemaligen Ostgebieten in die Region um Göttingen. „Das waren sehr harte Zeiten“, erinnert sie sich zurück. Nur langsam durch den Verkauf von Obst, Gemüse und Eiern konnte sich die Familie eine Existenz aufbauen. 1957 zog die Familie nach Groß Ellershausen in eine sogenannte Nebenerwerbssiedlung. Diese Siedlungen entstanden, um geflüchteten oder vertriebenen Landwirten aus den Ostgebieten eine neue Lebensgrundlage zu bieten. Was die Familie hier anbaute, konnte sie auf dem Markt verkaufen.

Bei einer Tanzveranstaltung kennengelernt

Ebenfalls 1957 lernte Astrid ihren späteren Ehemann Karl-Heinz kennen. „Das war bei einer Tanzveranstaltung. 1961 verlobte er sich mit Astrid, ein Jahr später heirateten die beiden. Aus dem Lebensmittelverkauf entwickelte sich ein Familienunternehmen. „Wir waren eigentlich immer zusammen auf dem Markt“, erinnert sich Astrid. Viele Jahre lang verkauften die Trabas auf dem Göttinger Wochenmarkt vor allem Obst und Gemüse. Dabei gelang es ihnen, sich eine treue Stammkundschaft aufzubauen. Sie verkauften nicht mehr nur selbst Angebautes, sondern fuhren auch auf die Großmärkte. „Die Qualität war für uns immer das Wichtigste. Wir waren vielleicht nicht immer die Günstigsten auf dem Markt, aber wir haben auch nur das angeboten, hinter dem wir stehen konnten“, sagt Karl-Heinz.
1985 hörten Astrids Eltern auf und sie und Karl-Heinz übernahmen alleine das Geschäft. Das war keine einfache Zeit: Mit dem Aufkommen der großen Supermärkte kamen immer weniger Menschen auf die Wochenmärkte. Ehepaar Trabas musste sich an das veränderte Kundenverhalten anpassen. „Wir konzentrierten uns auf das Saisongeschäft, wie Spargel, Zwetschgen und Beerenfrüchte“, erinnert sich Astrid. Besonders gerne denken Astrid und Karl-Heinz Traba an ihre Kundschaft zurück. „Einige Kunden hatten wir bereits seit Jahrzehnten. Es war immer schön, sich etwas mit ihnen unterhalten zu können. Mit einigen hatten wir ein richtig familiäres Verhältnis“, sagt Astrid.
Die schwere Arbeit auf dem Markt, das schleppen der Waren, das Auf- und Abbauen des Stands sind nach der Erkrankung von Karl-Heinz nicht mehr möglich. Nun beendet das Ehepaar nach mehr als 60 Jahren die Arbeit auf dem Wochenmarkt. „Da muss man leider einfach sagen: Schluss“, meint Astrid entschlossen. „Wir möchten uns herzlich für die jahrzehntelange Treue unserer Kunden bedanken.“

Von Max Brasch

Authored by: Blick Redaktion