8000 Besucher feiern bei Neuauflage der Nikolausparty
8000 Besucher kommen zur Nikolausparty ins Zentrale Hörsaalgebäude. Foto: Heller

8000 Besucher feiern bei Neuauflage der Nikolausparty

Fünf Jahre hat es gedauert, aber am Sonnabend war die legendäre Nikolausparty zurück im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) der Uni Göttingen.

Die legendäre Nikolausparty ohne den Heinz-Rühmann-Klassiker „Die Feuerzangenbowle“? Kaum denkbar. Deshalb wurde der 74 Jahre alte Film auch bei der Neuauflage in mehreren Hörsälen gezeigt. Die Tickets für die Filmvorführungen waren bereits lange vorher restlos ausverkauft. Schon vierzig Minuten vor der ersten Vorstellung um 18 Uhr bildete sich eine Schlange vor dem größten Hörsaal 011. Am Einlass wurden die Besucher mit Heidelbeerwein in Reagenzgläsern, Wunderkerzen und Lebkuchen ausgestattet.

Während noch etwa 2000 Zuschauer Heinz Rühmanns „Pfeiffer mit drei F“ lauschten, legte pünktlich um halb neun Sam White mit den Samunites los. Die Band bot einen Mix aus eigenen Stücken und Klassikern wie Joe Cockers „Mustang Sally“ oder Aretha Franklins „Respect“. Über eine Stunde lang unterhielten die Musiker das zunächst noch überschaubare Publikum. „Habt Ihr Spaß? Das klingt aber nicht nach Spaß!“, rief Sam White den Zuschauern zu und sorgte dafür, dass etwas mehr Bewegung ins Publikum kam. Für Besucherin Julia Ullrich, die die Nikoparty noch von früher kennt, war es ungewohnt, dass dies noch etwas überschaubar war: „Ich kenne es eigentlich, dass es um die Zeit schon weitaus voller ist – mit mehr Stimmung“.

Neu bei der Party war die Aufteilung auf zwei Floors, wo DJs für gute Stimmung sorgten. Einer davon ließ die 90er-Jahre wieder aufleben. Die Pausen zwischen den Filmen und Live-Auftritten der Bands nutzen die Gäste, um sich in der Lounge-Area zu unterhalten oder sich an Fotobox-Stationen fotografieren zu lassen.

Nachdem die meisten Filmvorführungen geendet hatten, wurde es immer voller im ZHG. Spätestens beim traditionellen Auftritt des Göttinger Symphonieorchesters (GSO) war zeitweise kein Durchkommen mehr möglich. „Wir hören Euch nicht“, feuerte Dirigent Nicolas Milton das Publikum an. Und das machte sich mit Pfiffen, Rufen und frenetischem Applaus bemerkbar.

„Geile Leute, geile Stimmung. Man fühlt sich super wohl“, sagte Besucherin Pauline Jung. Sie war es auch, die Milton aussuchte, um das vorletzte Stück des Abends zu dirigieren – was Jung dann auch mit vollem Körpereinsatz tat.

Bei Edward Elgars „Pomp and Circumstance“, das unter anderem im englischsprachigen Raum bei vielen Abschlusszeremonien gespielt wird, dirigierte Milton das Publikum und hielt den singenden Zuschauern das Mikrofon hin. Schon vor dem letzten Stück an diesem Abend forderten diese immer wieder eine Zugabe. Für die Studenten Ole und Niklas war der Auftritt des Orchesters dann auch der Höhepunkt des Abends.

Kurz vor Mitternacht übernahmen Flooot und fegten mit ihren Instrumenten über die Bühne. Dabei sorgten sie mit Songs wie „Du und ich“ für eine tanzende Menge und gute Laune. Doch damit endete der Party-Abend noch lange nicht. Bis um vier die Lichter angingen, wurde noch kräftig weitergefeiert.

Benjamin Wolff, Leiter der Veranstaltungsagentur Festfabrik, zieht ein positives Fazit der Neuauflage. „Die 8000 Leute, die da waren, haben die Nikoparty zurückgebracht.“ Das gute Ergebnis habe gezeigt, dass die Party gebührend weitergeführt worden sei. Denn über 20 Jahre lang und mit bis zu 10000 Besuchern war die Nikolausparty nicht nur bei Studenten, sondern auch bei vielen anderen Göttingern ein fester Termin im Kalender. Doch im Jahr 2013 fand das Kult-Event zum vorerst letzten Mal statt, weil einer der Organisatoren schwer erkrankt war. Zwar gab es weiterhin Filmvorführungen der „Feuerzangenbowle“, die große Party aber blieb aus. Versuche, das ursprüngliche Veranstaltungsformat wieder aufleben zu lassen, scheiterten an der Suche nach einem passenden Veranstalter.

Jetzt, fünf Jahre später, hat sich mit der Festfabrik, der Veranstaltungsagentur des Göttinger Tageblatts, ein neuer Veranstalter gefunden. Wolff kann sich vorstellen, die Nikolausparty jährlich auszurichten und sie wieder zu einer „Instanz in der Veranstaltungsszene“ zu machen.

 

Authored by: Blick Redaktion