Göttinger Modemarkt schließt im Februar
Geschäftsführer Uwe Jendrassek vor dem Modemarkt im Göttinger Carré.

Göttinger Modemarkt schließt im Februar

Für die 45 Mitarbeiter des Modemarkts ist am 2. Februar der letzte Arbeitstag. Das Modehaus schließt seine drei Standorte in Göttingen, Peine und Gifhorn. Uwe Jendrassek ist seit 34 Jahren im Geschäft. Er kennt sich aus. Doch den Kräften, die aktuell den Markt beherrschen, kann er nichts mehr entgegensetzen. Sogenannte Vertikale wie Zara oder Hs&M, die selbst produzieren und in den eigenen Geschäften vertreiben, diktieren den Preis. Ehemalige Branchengrößen wie Gerry-Weber, Esprit oder Tom Tailor sind in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. „Viele Mittelständler sind schon vom Markt verschwunden“, weiß Jendrassek. Es wurde für ihn zuletzt immer schwieriger, Lieferanten zu finden.

Seinen Beruf lernte der heute 51-Jährige beim Modehaus Otto Werner in Hannover und wechselte nach dessen Insolvenz im Jahr 2001 als Geschäftsführer des Modemarkts nach Göttingen. „Wir kommen aus der Diekmann-Otto Werner-Insolvenz“, erzählt er. Als ein dreimonatiges Projekt für den Ausverkauf konzipiert, entschied man sich nach vielversprechendem Start weiterzumachen.
Seither verkauften seine Mitarbeiter Überhänge und Last-Season-Ware von europäischen Lieferanten. Immer waren es Markenprodukte, die aber für einen deutlich günstigeren Preis abgegeben werden konnten. „Wir waren quasi der erste Multilabel-Outletstore in Göttingen. Damals hatten wir keine Konkurrenz“, erinnert sich Jendrassek. Das Konzept funktionierte: Die Lieferanten sorgten für die Ware und den Transport, der Modemarkt stellte Verkaufsfläche, Fachpersonal und seinen Namen. Und obwohl sich die Nachfrage der Kundschaft über die Jahre immer schneller veränderte, lief der Laden. Trotz mehrfacher Umzüge blieb die Göttinger Kundschaft treu.

Die Erfolgsgeschichte ging zunächst weiter. 2004 wurde ein Modemarkt in Peine, drei Jahre später einer in Gifhorn eröffnet. „Bis 2015 war alles ok“, sagt Jendrassek. Dann folgte in Götttingen der Umbau der Carré-Immobilie. Das Modehaus zog in die erste Etage und war durch die Konstruktion der neuen Rolltreppen nur noch über Umwege erreichbar. Plötzlich fehlte die Laufkundschaft.
Verändertes Modebewusstsein

Hinzu kam, dass sich das Modebewusstsein der Menschen immer mehr veränderte. Mit Blick auf die jungen Kunden erklärt Jendrassek: „Da wächst eine Generation heran, die gar kein Markenbewusstsein mehr hat.“ Das seien Kunden, die daran gewöhnt seien, Kleidungsstücke für unter zehn Euro zu kaufen.

Mitten in die schwieriger werdenden Zeiten kam das Jahr 2018 mit seinem für den Mode-Einzelhandel viel zu langen und viel zu warmen Sommer. Und als dann auch noch das Herbstgeschäft wegen der hohen Temperaturen ins Wasser fiel, entschieden die Gesellschafter Anfang November, dass der Modemarkt zum Februar 2019 schließt. „Keine leichte Entscheidung“, sagt Jendrassek. Zumal er den Mitarbeitern an den drei Standorten keine Perspektive bieten kann. Trotzdem sind alle Kollegen noch an Bord, wenn der Ausverkauf startet. Bei 30 Prozent auf alle Waren rechnet Jendrassek mit einem letzten Kundenansturm. Die Lager sollten sich bis zum 2. Februar geleert haben. „Und dann machen wir hier alle zusammen das Licht aus.“

Authored by: Blick Redaktion