10 000­ 000 Euro mehr für die Stadthalle
Göttingens heimliches Wahrzeichen: die Stadthalle. Foto: Hinzmann

10 000­ 000 Euro mehr für die Stadthalle

9,5 Millionen Euro reichen nicht aus. Die Sanierung der Göttinger Stadthalle wird weit mehr kosten als die bisher öffentlich diskutierten Kostenaufstellungen bezifferten. Die Göttingen Verwaltungsspitze rechnet inzwischen mit Sanierungskosten von mindestens 29,5 Millionen Euro netto. Ein neues Gutachten des Planungsbüros SSP legt diese Summe nun zugrunde. „Das ist eine erhebliche Steigerung“, sagte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) während einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag. „Es fällt nicht leicht, damit zu leben.“

Die Sanierung der 1964 eröffneten Halle sei aber dennoch der richtige Weg, sagte Köhler. Die Substanz der Halle sei zu erhalten und auch weiterhin nutzbar. Auch liege eine Grundsanierung trotz der nun um zehn Millionen Euro gestiegenen Kosten weiterhin unter den Kosten für einen Hallenneubau. Diese gab Stadtbaurat Thomas Dienberg am Freitag mit 45 bis 50 Millionen Euro an. Hinzu kämen Abriss und Entsorgung. Daher, so Köhler, werde die Verwaltung der Politik empfehlen, das Projekt Stadthallensanierung fortzuführen.

Vor allem die Baukostensteigerungen von rund 18 Prozent, prognostiziert bis 2020, summieren sich laut Aufstellung der Stadtverwaltung auf rund 3,5 Millionen Euro. Hier hatte das erste Gutachten von 2017 mit Zahlen von 2016 gerechnet, so Köhler. 1,8 Millionen Euro mehr sind für den „angepassten Ansatz für Unvorhergesehenes“ vorgesehen. Dazu gehöre laut Köhler etwa auch die Überprüfung und spätere Entsorgung von möglicherweise verbautem Asbest.

Auch die Anpassung der Bühnentechnik an „zukunftssichere Standards“ schlägt mit 1,1 Millionen Euro zu Buche. Dabei sei der Auftrag an die ersten Gutachter gewesen, so Köhler, die derzeitige Situation in der Halle 1:1 abzubilden. SSP habe hingegen geraten, die Halle zukunftsfähig aufzustellen – auch mit Blick auf eine bessere Chance, die Halle an Veranstalter zu vermieten.

Kostentreiber ist mit zusätzlichen 950 000 Euro auch die „erhöhte Anforderung an die Baustelleneinrichtung und Baustellenlogistik“, heißt es in einer Aufstellung der Verwaltung. Mehrkosten für die Fassade auf Grundlage des Fassadenwettbewerbs (750 000 Euro), höherer Aufwand bei der Dachsanierung als ursprünglich angenommen (700 000 Euro), ein höherer Kostenansatz für Betonarbeiten im Bereich der Südterrasse und bei Schächten (640 000 Euro) und mehrere Einzelpositionen etwa bei Kosten für den Aufzug und erhöhte Entsorgungskosten (560 000) verteuern die Sanierung ebenfalls.

Im März, so die Pläne der Verwaltung, soll der angepasste Wirtschaftsplan dem Betriebsausschuss der Stadthalle vorgelegt werden. Der neue Finanzierungsbedarf werde im städtischen Haushalt dargestellt. „Wenn die Politik unseren Empfehlungen folgt, steht der Zeitplan zur Wiedereröffnung der Stadthalle zum Soundcheck-Festival 2021“, sagt Köhler. Das gehe aber nur, wenn die Planer kontinuierlich arbeiten könnten. Michael Brakemeier

Authored by: Blick Redaktion