Lauf geht’s-Erfinder Wolfgang Grandjean im Interview
Wolfgang Grandjean in Aktion.

Lauf geht’s-Erfinder Wolfgang Grandjean im Interview

Göttingen/ Aalen. Die Aktion „Lauf geht’s“ hat bundesweit bereits weit über 5.000 Menschen zum Halbmarathon gebracht. Mehr als die Hälfte waren Laufeinsteiger oder Wiedereinsteiger, die es sich nicht hätten träumen lassen, mal so lange so weit zu laufen. Erfinder der Aktion ist Wolfgang Grandjean. Der 84-Kilo-Mann mit Hang zu gutem Essen sieht auch nicht gerade wie der geborene Läufer aus.

Wie sind Sie zum Laufen gekommen?
Ich war in der Jugend sportlich sehr aktiv. Aber mit dem Studium, der Arbeit, dem Haus und den Kindern blieb kaum noch Zeit. 20 Jahre später stellt man fest, dass man 20 Kilo mehr wiegt, mit Rückenschmerzen und Bluthochdruck kämpft. Da habe ich mir gedacht: Fress keine Pillen. Mach lieber Sport. Laufen bot sich an. Vor allem, wenn man sonst beruflich viele Termine hat. Da muss man sich nicht an fest Zeiten halten und kann es überall „einschieben“.

Und dann haben Sie daraus ein Programm gemacht. Wie ist die Idee zu „Lauf geht’s“ entstanden?
Ich habe beim Laufen anfangs so ziemlich alles falsch gemacht. Wenn man keinen Plan hat, keine Methodik und keine Unterstützung, trainiert man sich eher kaputt als dass man etwas für die Gesundheit tut. Da kam mir die Idee, daraus eine Zeitungsaktion zu machen. Mit einem erfahrenen Sportwissenschaftler, der auch Sportler wie den 10-Kampf-Europameister

Arthur Abele betreut.
Die Idee ist eigentlich ganz einfach: Wir nutzen die Methoden aus dem Profisport und haben daraus ein Gesundheitsprogramm für Einsteiger und Wiedereinsteiger entwickelt. Es führt langsam und mit Bedacht an den Sport heran, ohne zu überfordern. Dabei ist es kein Lauf-, sondern eher ein Gesundheitsprogramm. Es kombiniert modernste Trainingsmethodik mit neuester Ernährungslehre und ganz vielen Motivationshilfen.

Wie ist Ihre Halbmarathon-Zeit, Herr Grandjean?
Ich laufe je nach Trainingsstand zwischen 2:15 Stunden und 2:30 Stunden.

Ist das nicht eher langsam?
Vielleicht. Aber mir reicht das völlig. So blöd das vielleicht klingt: Ich laufe, damit ich nicht zu fett werde und gesund bleibe. Als Hobbykoch liebe ich mehrgängige Menüs. Das hat dazu geführt, dass meine Hemdengröße zwischenzeitlich bei „comfort fit“ lag. Das ist die höfliche Umschreibung der Modeindustrie für Dicke. Seit ich regelmäßig laufe, habe ich zehn Kilo an Gewicht verloren, deutlich weniger Rückenschmerzen und konnte Blutdrucksenker absetzen. Die langsamen langen Läufe überfordern mich nicht und das Laufen ist kein Zwang, sondern macht Spaß.

Hat das Laufen Ihr Leben verändert?
Nein, das klingt mir zu hochtrabend. Ich werde oft gefragt, ob ich durch das Laufen glücklicher geworden bin. Die Antwort lautet: Nein. Glück definiert sich bei mir, ob es meiner Familie gut geht, ob ich gesund bin, ob mir mein Job Spaß macht… Das Laufen macht mich ausgeglichener. Wenn ich nach der Arbeit noch eine Runde laufe, verarbeite ich dabei den ganzen Tag im Kopfkino. Ich laufe mir sozusagen den Stress von der Seele.

Wie bei so vielen Dingen gilt sicher auch beim Laufen Disziplin.
Wie kann es gelingen, den Sport in den Alltag zu integrieren?
Man muss regelmäßig dranbleiben. Ich plane jede Woche feste Zeiten, um zwei- bis dreimal zu laufen. Sonntags morgens mache ich meine langen Läufe. Oft nutze ich auch die Mittagspause und laufe aus dem Büro raus 45 Minuten in den Wald. Ich weiß, das ist nicht jedermanns Sache. Aber bislang haben sich die Kollegen noch nicht beschwert, es würde hinterher nach Schweiß müffeln.

Gibt es eine ideale Trainingszeit?
Hier gibt es kein richtig oder falsch. Jeder sollte schauen, wie es in seinen Zeitplan passt. Ich persönlich laufe lieber frühmorgens. Raus aus dem Bett und rein in die Laufschuhe. Hinterher fühlt man sich richtig wach und frei. Andere schwören darauf, abends nach der Arbeit zu laufen. Dann spielen sie den Tag noch einmal in Gedanken durch und laufen sich den Frust von der Seele.

Wie bekämpfen Sie Ihren inneren Schweinehund?
Wenn ich mal absolut keinen Bock habe, lasse ich fünf halt mal gerade sein und setze aus. Der Körper sagt mir damit vielleicht, dass er jetzt Zeit zur Regeneration benötigt. Und die ist ebenso wichtig wie das Training.

Auf was dürfen sich Teilnehmer von „Lauf geht’s“ freuen?
Auf ein Programm, dass sie langsam an die neue Belastung heranführt, ohne zu überfordern. Das eben nicht nur „Laufen“ ist. Es beinhaltet auch Mobilisations- und Stabilisationsübungen. Es hat Tipps zur entzündungssenkenden Ernährung. Wer mitmacht, nimmt mindestens fünf Kilo ab und fühlt sich später frischer und freier.

Authored by: Blick Redaktion