Zukunft der Stadthalle: Diskussionsrunde  im Deutschen Theater mit 350 Gästen
Diskussion über die Göttinger Stadthalle mit Olaf Feuerstein, Robert Marlow, Peter Krüger-Lenz, Dagmar Sakowsky, Tom Wedrins, Rolf-Georg Köhler und Tobias Wolff (von links). Foto: Heller

Zukunft der Stadthalle: Diskussionsrunde im Deutschen Theater mit 350 Gästen

Wie geht es weiter mit der Stadthalle? Dieser Frage stellten sich am Sonntagnachmittag Politiker und Experten im Deutschen Theater. „Eine Stadt und Ihre Halle“ lautete der Titel der Podiumsdiskussion, die das Deutsche Theater (DT) gemeinsam mit dem Göttinger Tageblatt (GT) veranstaltet hat.

DT-Intendant Erich Sidler und der stellvertretende GT-Chefredakteur Christoph Oppermann begrüßten die rund 350 Gäste in einem zur Stadthalle passenden 60er-Jahre-Ambiente. Die Podiumsteilnehmer nahmen auf der Bühne in der Kulisse des Stückes „Außer Kontrolle“ Platz. Statt Bilder des Flughafens Hannover waren allerdings die der Göttinger Stadthalle im Hintergrund zu sehen.

An der vom Göttinger Städtebaubeirat einst – so zitierte es Moderator Peter Krüger-Lenz – als „Architekturzeichen der 60er-Jahre“ bezeichneten Stadthalle scheiden sich die Göttinger Geister. Robert Marlow, Präsident der Architektenkammer Niedersachsen, setzte gleich zu Beginn der Diskussion sein Statement: „Es ist absolut wichtig und richtig, dass die Stadthalle saniert wird“, sagte er.

CDU: Multifunktionshalle

Das allerdings sieht die Göttinger CDU ganz anders. Fraktionschef Olaf Feuerstein vertrat auf dem Podium für seine Partei die Forderung, den Neubau statt der Sanierung und auch andere Standorte für die Stadthalle zu prüfen. „Wir brauchen eine Multifunktionshalle, die auch konzertfähig ist“, sagte er. Wenn jetzt viel Geld investiert werde, dann „muss man es richtig machen.“ In der Vergangenheit sei ein Neubau nicht überprüft worden, das müsse jetzt geschehen.

Die Debatte um die Stadthalle war im Januar neu aufgekommen. Zuvor hatte der Rat der Stadt nach jahrelanger Diskussion im Jahr 2017 entschieden, die Halle am Albaniplatz einer Kernsanierung zu unterziehen. Seit November steht sie leer. Als bekannt wurde, dass statt der veranschlagten 20 Millionen Euro nun 30 Millionen Kosten für die Kernsanierung auf die Stadt zukommen, wurde der Prozess gestoppt.

Rückbau bis auf den Rohbau

Die SPD, für die Fraktionsvorsitzender Tom Wedrins auf dem Podium saß, plädiert weiterhin für die Sanierung. „Die Sanierung heißt doch Rückbau bis auf den Rohbau“, erklärte Wedrins. Ohne die Halle drohe eine „Verarmung im kulturellen Leben“.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) erinnerte daran, dass bei einem neuen Verfahren mit weiteren siebeneinhalb Jahren zu rechnen sei. Sieben Jahre lang habe es auch gedauert, um zu dem vorliegenden Beschluss zu kommen. Außerdem werde bei einer Sanierung, die den Kern erhält, rund zehn Millionen Euro sogenannter „grauer Energie“ gespart. „Der Standort und eine Kernsanierung sind genau der richtige Punkt“, so Köhler. Dafür erhielt er viel Applaus.

Grünen: „Zeit nehmen“

Dagmar Sakowsky von den Grünen sprach sich für Folgendes aus: „Zeit nehmen und auch Klimaschutz, Bildung, und Interimslösungen einbeziehen.“ Und weiter: „Wir Grünen sind noch auf der Suche.“ Sie habe Zweifel, dass die zusätzlichen Kosten bezahlt werden können.

Als Chef der Händel-Gesellschaft kritisierte Tobias Wolff, dass die Stadtverwaltung nach den Diskussionsprozessen im Jahr 2015 die Beteiligten „emotional nicht mitgenommen“ hätte. Die Geschichte sei nicht richtig erzählt worden. „Sonst würde ich heute vielleicht mehr für die Stadthalle sprechen“, sagte er. Den Fehler in der Kommunikation räumte Köhler denn auch ein. „Da habe Sie einen wunden Punkt getroffen“, so der Oberbürgermeister. Es hätte mehr Rückkopplung geben müssen. Wenn die Sanierung beschlossen werde, sollte ein baubegleitender Beirat unter anderem mit den Kulturschaffenden und Nutzern eingerichtet werden, schlug Wedrins vor. Wolff fand diesen Vorschlag „gut“.

Aus dem Publikum kamen anschließend unter anderem Fragen nach dem NDR-Soundcheckfestival, der Akustik in der umgebauten Halle und nach der Meinung der Konzertveranstalter. Die Akustik habe man bedacht, es gebe 200 Plätze mehr und natürlich auch deutlich veränderte Lichttechnik, erklärte Köhler.

bib

Authored by: Blick Redaktion