Krebserkrankte Kinder bei H96
Der 11-jährige Timo war überglücklich über das Treffen mit dem 96-Profi Pirmin Schwegler.

Krebserkrankte Kinder bei H96

Krebserkrankte Kinder brauchen vor allem Hoffnung, um gegen ihre Krankheit zu kämpfen – dazu kommen ärztliche Betreuung und Angebote, die Abwechslung vom Klinikalltag geben. Das Projekt Luftsprung verknüpft in Göttingen seit 2015 Sport- und Bewegungsangebote des Instituts für Sportwissenschaften der Universität mit der medizinischen Betreuung in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). „Dass Sport und Bewegung gut sind, kann wohl jeder unterschreiben“, sagt Professor Christof Kramm, Leiter der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie an der UMG und einer der Initiatoren. „Wir haben uns gefragt, wie wir unseren Patienten auf der Kinderkrebsstation plausibel machen können, dass sich Sport lohnt.“

Sechs Patienten im Stadion

Dieses Mal sollte es um Fußball gehen: Sechs kinderonkologische Patienten fuhren zusammen mit Freunden, Eltern und Betreuern am Sonntag, 31. März, nach Hannover. Ziel war die HDI-Arena, wo der gegenwärtige Bundesligist Hannover 96 gegen Schalke 04 antrat. Trotz der 0:1-Niederlage der Hannoveraner sei das Spiel ansprechend gewesen und die Kinder und Jugendlichen hätten viel Spaß gehabt, so Kramm. Das wahre Highlight kam aber im Anschluss: Pilgrim Schwegler, der die Nummer 27 des Vereins trägt, kam nach dem Spiel zu seinen Besuchern aus Göttingen.

Schwegler kämpfte als Kind gegen eine Leukämieerkrankung und musste sich als Zweijähriger einer Chemotherapie unterziehen – heute ist er Profifußballer und bestärkt Krebserkrankte darin, die Hoffnung nicht zu verlieren. Als Schirmherr von Luftsprung trifft er Patienten und spricht über seine Erfahrungen. „Zu meiner Zeit gab es so etwas in der Form noch nicht in den Kliniken. Ich selbst habe im Nachhinein gespürt, wie gut mir schon eine schnelle Eingliederung getan hat. Einfach Normalität zu erleben. Wenn man in so einer Situation ist, will man einfach auch normal sein, ein normales Leben führen. Die Kinder bekommen Abwechslung vom Krankheitsalltag – das ist sehr wichtig“, so Schwegler. Das Leben kann weitergehen nach der Erkrankung und das sollten gerade Kinder nicht vergessen. Der 11-jährige Timo war überglücklich über das Treffen mit dem 96-Profi. Als eingefleischter Fan der Hannoveraner und ließ er sich sofort mit Schwegler ablichten. „Unter den Kindern waren auch Schalke-Fans, die haben sich auch über den Spielstand gefreut“, sagt Kramm.

„Hoffnungsvolle Ausblicke wie diese brauchen wir und wenn sie noch mit Sport zusammenhängen – umso besser“, sagt der Professor . Die kleinen Lichtblicke erreicht das Luftsprung-Projekt durch Sportangebote in den Einrichtungen der Universität.

Studenten der Sportpädagogik trainieren mit den Kindern und Jugendlichen, die nicht einfach in einen Verein gehen können. Kinder zwischen drei und fünf Jahren erlernen in Gemeinschaftsspielen ein besseres Körpergefühl, das Angebot reicht aber „bis zum 17-Jährigen, der mit einem Sportstudenten in die Muckibude gegangen ist“, so Kramm.

Dienstags zum Sport

Jeden Dienstag können sich die Patienten, die nicht an die Station gebunden sind, in der Turnhalle des Sportinstituts gemeinsam bewegen. Für die Kinder, die ihr Bett oder die Klinik nicht verlassen können, kommen die Sportstudenten zu Besuch.

„Die Übungen werden ganz toll angebommen, es geht nicht um Krankengymnastik oder ,wegüben’, sondern darum, die Kinder präventiv in einem besseren Zustand zu halten“, erklärt Kramm. „Wir müssen die Kinder nicht in Watte packen – manche meistern die Kletterwand im Roxx, andere gehen kleinere Schritte – das alles tut gut.“ lel

Authored by: Blick Redaktion