Hunderte beim „March for Science“
Der dritte „March for Science“ in Göttingen am vergangenen Wochenende.

Hunderte beim „March for Science“

Mehrere Hundert Teilnehmer haben am Sonnabend beim dritten „March for Science“ in Göttingen für eine freie und offene Wissenschaft demonstriert. Mit frischen Impulsen hatten sich die Veranstalter bemüht, Wissenschaft für Bürger noch greifbarer zu machen. Am Gänseliesel-Brunnen in der Innenstadt waren beispielsweise mehrere Experimente aufgebaut, die von Poetry-Science-Slammer Alex Drebec vorgestellt wurden. So konnten Passanten etwa an praktischen Beispielen nachvollziehen, wie Kohlensäure in Kohlendioxid oder Solarenergie in Strom verwandelt wird.

„Genau das, was wir wollen“

City-Besucher blieben spontan stehen und kamen mit den anwesenden Wissenschaftlern ins Gespräch. „Das ist genau das, was wir wollen“, sagte Mitorganisator Michael Berger.

Nach einigen Wortbeiträgen, etwa von Vertretern der Klima-Bewegung „Fridays for Future“, setzten sich die Demonstrationsteilnehmer in Bewegung, zogen über die Weender Straße bis zum Zentralcampus. Am Platz der Göttinger Sieben griff dann auch Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel zum Mikrofon: „Der ,March for Science’ ist ein deutliches positives Zeichen für die Wissenschaft“, erklärte sie. „Was Ihr bewirkt habt, haben die Profis, wie sie Herr Lindner genannt hat, und auch die Wissenschaft bisher nicht geschafft“, lobte sie ausdrücklich die „Fridays“-Bewegung. Beisiegel hoffe, dass ihre Kraft nicht nachlasse – und freue sich, dass sich die „Scientists for Future“ der Sache angeschlossen hätten. Sie selbst wolle sich auf universitärer Ebene für ein ähnliches Engagement einsetzen – die „Universities for Future“. Beisiegel: „Ich werde versuchen, das mit zu organisieren“, versprach sie.

„Die Freiheit der Wissenschaft ist nicht selbstverständlich“, betonte auch Anne Marie Bessette, Sprecherin des March for Science in Göttingen. Sie sei vielmehr das „größte Abenteuer, das wir kennen“ – und das es zu schützen gelte. „Vor 90 Jahren war die Göttinger Physik führend in der Welt, zehn Jahre später existierte sie fast nicht mehr“, mahnte Bessette. Auch heute gebe es in der Welt noch viele Beispiele dafür, dass Wissenschaft unterdrückt werde. Dagegen anzukämpfen, haben sich auch die „Fridays for Future“ – Vertreter mit auf die Fahnen geschrieben. Aus ihrer Sicht sei die Wissenschaft elementar wichtig dafür, die Welt überhaupt noch retten zu können. Die Schüler erläuterten während der Kundgebung die sechs Forderungen an die Bundesregierung, die sie gemeinsam mit den „Scientists for Future“ formuliert hatten. Eine davon ist die derzeit viel diskutierte Einführung einer CO2-Steuer.

Wiederholung geplant

Unterhaltsame Gastbeiträge steuerten die Poetry- und Science-Slammer Aniruddha Dutta und Alex Drebec bei, ehe Matthis Drolet die erstmals initiierte „Junior Science Fair“ vorstellte. Elf Gruppen hätten sich daran beteiligt. Nach der Kundgebung nutzten viele March-Teilnehmer die Gelegenheit, sich die Projekte – etwa die „Kinder-Uni“ – anzusehen. „In Berlin wurde zum Beispiel eine Wissenschafts-Ausstellung organisiert, aber so etwas haben wir in Göttingen bereits mit der Nacht des Wissens. Eine Jugend-Forscher-Ausstellung gab es aber so bisher noch nicht“, so Drolet. Sie soll eine Verbindung herstellen zwischen Wissenschaftlern und Nicht-Wissenschaftlern. Drolets Wunsch: „Es ist gut möglich, dass wir das im kommenden Jahr wiederholen.“ mr

Authored by: Blick Redaktion