Wie aus dem Göttinger Gänseliesel ein Mann wurde
Max Armonies auf dem Campus der Georg-August Universität Göttingen.

Wie aus dem Göttinger Gänseliesel ein Mann wurde

Bis vor wenigen Wochen war Sophia Armonies noch das amtierende Gänseliesel. Doch Sophia gibt es nicht mehr: Sie hat sich entschieden, ab sofort als Mann zu leben – und nennt sich nun Max.

„Mir war mit fünf schon klar: Ich bin eigentlich ein Junge“, erzählt er. Bei der Gänseliesel-Wahl mitzumachen, das sei für ihn ein „letzter Versuch“ gewesen, sich mit der weiblichen Rolle zu arrangieren, die ihm die Gesellschaft jahrelang aufzubürden versucht hat. In seinem Alltag gab es dafür immer wieder Beispiele. Etwa dieses: „Ich war bereits als Kind ein großer Fan der ‚Wilden Kerle‘, also wünschte ich mir davon etwas zu Weihnachten. Meine Tante hat mir stattdessen ein pinkes Handtuch mit Duschgel geschenkt“, erzählt Max – ohne Groll, ohne Wut, augenscheinlich auch ohne Frust. Es schwingt nicht mal ein verspäteter Vorwurf mit an jene, die ihn so behandelt haben, wie er es eigentlich nie wollte. Allerdings, eines gibt er dann doch zu: „Als Kind ergibst Du dich irgendwann in dein Schicksal, Du nimmst die Rolle an.“

Als Sophia lässt sich Max die Haare wachsen, zieht Kleider an, verhält sich so, wie sich ein Mädchen seines Alters eben verhält: „Ich habe als Mädchen und später als Frau gelebt und das auch irgendwie hingekriegt.“ Auch wenn es ihm damit nie wirklich gut ging.

Jahre später, als Gänseliesel, wiederholt sich die Geschichte. Max verhält sich so, wie sich ein Gänseliesel zu verhalten hat. Nach seiner Wahl gibt Max als den Startschuss zum Lichterlauf am Kiessee, schenkt Erbsensuppe für „Keiner soll einsam sein“ aus, weiht zusammen mit dem Mini-Gänseliesel die Eisbahn an der Lokhalle ein, eröffnet den Göttinger Weihnachtsmarkt. Wie es bei all diesen Terminen in ihm aussieht, ahnt niemand. mr

Die ganze Geschichte über Max online lesen: gturl.de/max

Authored by: Blick Redaktion