Vier Wochen Ackerbesetzung in Neu-Eichenberg – das sagen die Besetzer
Ackerbesetzung in Neu-Eichenberg: Im neu angeschafften Zelt tagt unter anderem jeden Sonnabend das Plenum. Foto: Warda

Vier Wochen Ackerbesetzung in Neu-Eichenberg – das sagen die Besetzer

Neu-Eichenberg Vor vier Wochen besetzten Aktivisten einen Acker im nordhessischen Neu-Eichenberg, um gegen den Bau eines Logistikgebietes zu protestieren. Bei einem Besuch des Camps wird klar: Die Besetzer haben einen langen Atem.
Auf einem Parkplatz in der Nähe wird einem gleich mal eine Kiste Melonen in die Hand gedrückt. Die Besetzer leben schließlich nicht von Luft, und die Spendenbereitschaft ist enorm – Neu-Eichenberger bringen auch mal einen Kuchen vorbei, berichtet Luca Rosenberg. Erst vorhin sei er gefragt worden: „Wollt ihr lieber Kartoffeln oder eine Kiste Bier?“ Die Entscheidung habe er dem Spender überlassen.

Aktuelles Brunnen-Projekt

Die Küche ist besonders wichtig und gehörte zu den Einrichtungen, die gleich zu Beginn fertiggestellt worden sind. Das aktuelle Projekt ist ein Brunnen. Lehmverschmierte Gestalten graben sich in die Tiefe, mittlerweile ist der professionell verkleidete Schacht rund dreieinhalb Meter tief und soll schon bald der Bewässerung der angelegten Beete dienen. Eine andere Idee ist, das Grundwasser zu Trinkwasser aufzubereiten.
„Angesichts der Klimakrise ist so ein Ort symbolisch: Ein Logistikgebiet darf hier nicht entstehen, und da gibt es von uns ein starkes Nein“, sagt Rosenberg über die Motivation der Besetzer. „Auf der anderen Seite wollen wir hier etwas Positives, einen sozialen Ort erschaffen und Ideen für ein anderes Leben entwickeln.“
Jeden Sonnabend tagt um 14 Uhr ein Plenum – Zeit zum Austausch, Zeit für Rück- und Ausblick. An diesem Sonnabend kommt am Nachmittag ein Vortrag der Bürgerinitiative über den Stand der Dinge und abends die Vorführung eines Jongliertheaters dazu. Auch Konzerte hat es bereits gegeben. „Es ist viel Arbeit, aber wir versuchen auch, es uns hier gut gehen zu lassen“, sagt Rosenberg.
Das Zelt, in dem momentan der Vortrag läuft, ist eine Neuanschaffung und durch Spenden finanziert. In einiger Entfernung dahinter sind Komposttoiletten eingerichtet, die sukzessive um einige Meter verschoben werden. Im Camp, das wird deutlich, steckt enorm viel Arbeit. „Es ist ein langfristiger Prozess. Wir sind dabei, Strukturen zu entwickeln, damit sich niemand überarbeitet“, sagt Rosenberg.

„Symbol des Widerstands“

Der Name Luca Rosenberg ist ein Pseudonym – der Nordhesse, ein Mittzwanziger, der im benachbarten Witzenhausen Agrarökologie studiert, möchte als Besetzer seinen richtigen Namen nicht so gern in der Zeitung lesen. Andererseits werde die Gruppe mittlerweile geduldet, ein Hausfriedensbruch liege nicht vor. Eigentümer ist das Land Hessen.
Die Besetzer verstehen sich als „Symbol des Widerstands gegen die Versiegelung von fruchtbarem Boden“. In einer Zeit der Klimakrise sei der Bau eines 80 Hektar großen Logistikgebietes mit dem Ziel, Geld zu erwirtschaften, das völlig falsche Signal, so Rosenberg. Selbst ein CDU-Politiker habe sich bereits vor Ort informiert, alles in allem sei der Dialog jedoch schwierig. Die Besetzer jedenfalls sind willens, bis zur Entscheidung der Gemeindevertretung durchzuhalten.
Der Riss zwischen den Befürwortern und den Gegnern des Logistikgebietes verläuft quer durch Neu-Eichenberg. „Je länger der Prozess dauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Verantwortlichen umdenken“, hofft Rosenberg. Bis dahin wollen die Besetzer die Verantwortung für einen Acker übernehmen, der aus ihrer Sicht nachhaltig bewirtschaftet werden muss. Der Sturzregen vor einiger Zeit war hart, nun stehen heiße Tage an. An Wochenenden wird das Camp von rund 50 Aktivisten bevölkert, aber auch werktags ist wer da. „Dauerhaft besetzt“, nennt sich so etwas. Besuch gibt es am Sonnabend von zwei Reiterinnen, Sympathisantinnen. Ob er auch ins Wendland komme, zur Kulturellen Landpartie, wird Rosenberg gefragt. Der Ackerbesetzer nickt. „Mal eine Pause machen“, sagt er.

Authored by: Blick Redaktion