UMG mit Dachgesellschaft und  neuen vierten Vorstand
Neubauten am Klinikum: Grünen-Politiker Wenzel befürchtet Verzögerung

UMG mit Dachgesellschaft und neuen vierten Vorstand

Über die Neubauvorhaben der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) wird künftig eine Dachgesellschaft wachen. Das hat das zuständige Landesministerium Anfang Juni bekannt gegeben. Der Wissenschaftsausschuss des Landtages berät am 24. Juni über eine Änderung des Niedersächsischen Hochschulgesetztes. Gegenstand ist auch, dass es künftig einen zusätzlichen, vierten Vorstand an der Spitze der UMG geben kann.

Die Gründung der Dachgesellschaft stößt auch auch auf Kritik. So befürchtet der Göttinger Landtagsabgeordnete der Grünen, Stefan Wenzel, eine „weitere Verzögerung” der Neubauvorhaben des Klinikums durch diese Dachgesellschaft, die nicht nur für die UMG sondern auch für den Neubau der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zuständig ist. Wenzel geht davon aus, dass dadurch das „Planungs- und Abstimmungsverfahren nochmal komplexer” wird. Mit der noch zu gründenden Bau-GmbH in Göttingen und der Dach GmbH in Hannover seien allein für Göttingen zwei Gesellschaften tätig. „Dazu kommen die Stiftung, zwei Ministerien, verschiedene Gremien, der Rechnungshof, der Haushaltsgesetzgeber und die bauausführenden Firmen”, so Wenzel weiter. Er fürchtet, dass die doppelte GmbH-Struktur in Konfliktfällen dazu führen könnte, dass der „schwarze Peter“ hin und her geschoben wird und Verantwortlichkeiten „intransparent” sind.

Anders die SPD: „Mit der Dachgesellschaft, die als Holding für die Baugesellschaften der UMG und MHH fungiert, beschreiten wir Neuland. Mit dieser Konstruktion soll sichergestellt werden, dass bei den beiden Großbauprojekten Zeitpläne und Kosten nicht aus dem Ruder laufen”, sagt die Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete und Landtagspräsidentin, Gabriele Andretta. Die Dachgesellschaft solle steuern und kontrollieren, die operative Umsetzung erfolge aber durch die Baugesellschaft der UMG vor Ort. „Die Verantwortlichkeiten sind somit klar geregelt, das Parlament ist während des gesamten Bauprozesses eingebunden”, sagt sie. Die neue Struktur wird Andrettas Ansicht nach kein Bremsklotz sein. Der Landtag habe mit dem Sondervermögen die Finanzierung des Neubaus sichergestellt, mit der Dachgesellschaft eine Kontrolle geschaffen und mit dem UMG-Vorstand einen starken Partner an der Seite. „Im kommenden Jahr werden wir den Grundstein für den gemeinsamen Bau von Bettenhaus und OP-Trakt legen. Also alles im Plan,“ sagt sie.

„Mehr Planungssicherheit“

Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Ehbrecht aus dem Eichsfeld geht davon aus, dass es „eigentlich für Göttingen keinerlei Verzögerungen in der Bauplanung und dem Baufortschritt geben” soll. Ehbrecht: „Mit der Novelle des Hochschulgesetzes bekommen die Bauvorhaben der UMG mehr Planungssicherheit“.

Am 24. Juni wird sich der Ausschuss für Wissenschaft und Kultur in einer Anhörung mit dem Gesetzentwurf beschäftigen. „Es war mir wichtig, dass dabei das Präsidium und der Senat der Universität Göttingen zu Wort kommen können“, sagt er. Nach der Sommerpause werde die Anhörung ausgewertet. Ehbrecht: „Die Novelle ist gut für die UMG.“

Für den Vorstand der UMG nennt Pressesprecher Stefan Weller die Zusammenführung der Bauabschnitte 1a (Bettenhaus) und 1b (OP-Neubau) eine „wegweisende Entscheidung“. Es sei davon auszugehen, dass der Bau im Jahr 2020 beginnt und im Jahr 2024 abgeschlossen werden kann. Mit der Gründung der Dach-GmbH, die für die Überwachung der Bauaufgaben der lokalen Bau GmbH der UMG verantwortlich ist, solle eine schnellere Umsetzung der staatlichen Baumaßnahmen erreicht werden.

Ohne weitere Verzögerungen

Auch der Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete Gerd Hujahn hält die Gründung der Dachgesellschaft „grundsätzlich” für den richtigen Schritt. „Die UMG ist bereits weit in den Planungen vorangeschritten und steht in die Startlöchern. Verzögerungen wie sie bei der MHH eingetreten sind, sind sicherlich auch dem riesigen Logistikaufwand geschuldet“, so Hujahn. Auch er hofft auf „zeitnahe UMG-Baumaßnahmen ohne weitere Verzögerungen“.

Wenzel bestätigt, dass Göttingen ist in der Planung des Klinikneubaus bereits einige Jahre weiter ist als die MHH. Das Geld für die ersten Bauabschnitte stehe seit gut zwei Jahren bereit und die Bausubstanz sei dringend sanierungsbedürftig,“ so Wenzel. bib

Authored by: Blick Redaktion