Der Herr der goldenen Kette:  Achim Sterr geht in den Ruhestand
Abschiedsfeier: Achim Sterr mit seiner Nachfolgerin Nina Winter (l.) und Angelika Daamen (Stadtmarketing und Göttingen Tourismus).

Der Herr der goldenen Kette: Achim Sterr geht in den Ruhestand

Er war der Wächter der schweren Bürgermeisterkette, Chef-Organisator herrschaftlicher Besuche im Alten Rathaus und fast buddhistische Ruhepol bei vielen Bürgerreisen. Jetzt hat sich Joachim (Achim) Sterr in den Ruhestand verabschiedet. Fast 49 Jahre stand der 65-jährige Groner im Dienst der Stadt Göttingen.

An der Wand hängt noch die große Collage mit Wimpeln aller Partnerstädte Göttingens und die außergewöhnliche Zeichnung der Göttinger Stadtansicht – „mit persönlicher Widmung von Uwe Brandi“, erzählt Sterr stolz. Dass er noch am Abend sein Büro (auf)geräumt haben soll, ist schwer zu glauben. Überall türmen sich Aktenstapel: Briefe, Reisepläne, Teilnehmerlisten, Hintergrundinfos über erwartete Gäste des Oberbürgermeisters. „Dabei geht heute nichts ohne einen sauber geführten Kalender im PC. Da sind vor allem alle wiederkehrenden Termine bis 2021 hinterlegt“, sagt Sterr. Und das sind viele: von den Neujahrsempfängen über die Gildenwahl, Händelfestpiele bis zu den Schützenfesten und politischen Gedenktagen.

Alle musste Sterr mit seinem Team immer im Blick haben. Er musste dafür sorgen, dass der Oberbürgermeister oder einer seiner Vertreter als Repräsentant zur Stelle und vor allem auf einen Termin vorbereitet ist – „mit Rede, Sitzordnung und allem Drumunddran“. Bei städtischen Veranstaltungen musste er die Musik organisieren und das Catering.

„Sicher 30-mal“ ist er alleine nach Thorn gereist. Dort hat er Freunde fürs Leben gefunden und weiß darum Städtepartnerschaften zu schätzen: „Sie dienen der Völkerverständigung, und wir können nicht genug tun, damit Europa nicht auseinanderbricht.“ Dass Sterr dazu viel beigetragen hat, hat Thorn in besonderer Weise gewürdigt: Bei seinem letzten Besuch hat der Stadtpräsident ihm die Ehrenmedaille verliehen. Inzwischen pflegt Göttingen auch Beziehung zum Stadtbezirk Qixia in China. Zweimal ist Sterr mit einer Delegation dorthin gereist und verbindet ausgerechnet damit seine einzige „schlimme Panne“. Bei der Rückkehr von der Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung hat er die Aktentasche mit den Partnerschaftsverträgen und anderen „ganz wichtigen Papieren“ im Zug liegen lassen. „Da war ich durch.“ Vier Tage später tauchte sie wieder auf. „Mein Geld war weg, alles andere war noch da“.

Seinen Platz als Leiter des Büros für „Repräsentation und Internationale Beziehungen im Referat des Oberbürgermeisters“ übernimmt Nina Winter. Die 40-Jährige ist seit 2016 Mitarbeiterin der Verwaltung. us

Authored by: Blick Redaktion