Thailand als zweite Heimat
Das Ehepaar Besdow lebt im Eichsfeld und in Thailand und hat sich mit einer Weltreise auf der MS Columbus einen Traum erfüllt.

Thailand als zweite Heimat

Seit einem Vierteljahrhundert pendelt das Ehepaar Edelgard und Hans-Joachim Besdow zwischen Südostasien und dem Eichsfeld, verbringt die Wintermonate in Thailand, den Sommer im Eichsfeld. In diesem Jahr haben sich die beiden 72-Jährigen einen Traum erfüllt: eine maritime Weltreise. Vier Monate lang waren sie auf dem Kreuzfahrtschiff Columbus von Kontinent zu Kontinent unterwegs.

In seinem psychohistorischen Versuch über die Amerikaner unterscheidet Gerd Raeithel zwischen Pedophoben und Pedophilen, Sesshaften und Beweglichen. Zu letzteren dürfte Hans-Joachim Besdow zählen. 34 Jahre lang war der gebürtige Göttinger Berufssoldat bei der Marine, auf den Weltmeeren unterwegs, in vielen Häfen zuhause, ist von einer Mietwohnung der Bundeswehr in die nächste umgezogen. „Wir waren viel unterwegs – wie Nomaden.“ Mit seiner Frau, mit der er im vergangenen Jahr goldene Hochzeit gefeiert hat, ist er vor 14 Jahren in ihr Elternhaus nach Langenhagen gezogen. Das ist gespickt mit Erinnerungsstücken und Mitbringseln, die Marinebar im Anbau gleicht einem maritimen Kuriositätenkabinett mit Flaggen, Koggen und Knoten. Den schwersten Seemannsknoten, die „englische Trompete“, kann Besdow heute noch hinter dem Rücken knüpfen – während er den Kopf über die „unbegreifliche Kostenexplosion bei der Gorch Fock“ schüttelt.

An der Hausfassade hängt neben Fotos des ehemaligen Thailänder Königspaares Bhumibol und Sirikit eine Schiffsschraube. Sie stammt von der „Silke“, einem Halbgleiter mit Außenbordmotor. Den hatte sich Besdow „zum Pöttern auf der Elbe“ zugelegt, als er in den 1980er-Jahren in Gückstadt wohnte. „Im Binnenland kann man kein Boot mehr halten“, sagt der Pensionär. Immerhin fließt die Lange am Grundstück vorbei. Die Hofeinfahrt führt über eine Bachbrücke, in deren Geländer ein Anker eingearbeitet ist. In Langenhagen fühlen sich Besdows „pudelwohl“. Im Winter sei hier aber nicht viel los – und das Wetter überall schlecht. Nach der Silberhochzeit in Thailand waren sie „infiziert“, schätzen „Klima, Kultur, die Menschen und die Lebensweise“ dort. Ein Zwei-Zimmer-Appartement in Pattaya ist ihnen zur zweiten Heimat geworden, für Touren stehen ein alter Jeep und ein Motorrad in der Garage bereit. Hans-Joachim Besdow kann Thai sprechen, lesen und schreiben, ist in Pattaya Mitglied einer Freikirche und des Motorradclubs „The Old Warriors“.

Eine Affinität zu Südostasien hatte das Ehepaar, das drei Töchter großgezogen und sich um fünf Pflegekinder gekümmert hat, schon immer, hat ganz Südostasien bereist – von Borneo bis Kambodscha. Im Zeitraum vom Lichterfest Loy Krathong, das im November das Ende der Regenzeit einläutet, bis zum Songkran-Neujahrsfest im April zieht es beide stets nach Thailand. Auch Erfahrung mit Kreuzfahrten haben sie, sind unter anderem mit der Aida durchs Chinesische Meer geschippert.

Eine andere Nummer waren die 121 Tage an Bord der MS Columbus mit 1000 Engländern, 200 Deutschen und 45 Niederländern. Das sei eine Herausforderung gewesen, aber auch eine tolle Reise: „Einen Lagerkoller haben wir nie gehabt.“ Start- und Zielpunkt war Amsterdam, angesteuert wurden Stationen von Gibraltar bis Sydney, von Lissabon bis Yokohama. Edelgard führte Tagebuch, um Eindrücke festzuhalten. ku

Authored by: Blick Redaktion