Göttinger Rettungshunde: Seit zehn Jahren eine Nase für Vermisste
GOE-Rettungshundestaffel Rettungshundestaffel besteht seit zehn Jahren und feiert im September ein Fest Training im Wald bei Herberhausen

Göttinger Rettungshunde: Seit zehn Jahren eine Nase für Vermisste

Im Fernsehen sieht das alles immer so einfach aus: Hunde, die ihre Nase einmal auf den Boden halten und dann jeden Vermissten finden. Hinter einer Ausbildung zum professionellen Rettungshund stecken viele Jahre Arbeit. Aber: Fast jeder Hund kann das lernen, sagt Ausbilderin Kristin Kohlrausch.
Seit zehn Jahren besteht die Rettungshundestaffel Göttingen. Rund 25 Hundeführer sind dort im Bundesverband Rettungshunde (BHR) organisiert, sechs sind geprüfte Rettungshunde, andere sind in der Ausbildung. Maex zum Beispiel ist noch ein kleiner Welpe. Benjamin Maksel bringt den neun Wochen alten American Shepherd aber schon mit zum Training.

Suche nach Senioren und nach Kindern

Verwirrte Senioren, Angehörige mit Selbsmordabsichten, verschwundene Kinder: Wenn ein Mensch vermisst wird, kommen die vierbeinigen Spürnasen zum Einsatz. „Manchmal sind wir dreimal in einer Woche, manchmal wochenlang gar nicht im Einsatz”, sagt Kohlrausch. Viele der Tiere, die im Göttinger BHR trainieren, sind Australian Shepherd, Zugführer Jürgen Schüddekopfs Alexa ist ein Kleiner Münsterländer, auch Mischlinge sind dabei.

„Jeder Hund ist anders”, sagt Kohlrausch. Was die Hundehalter aber vereint ist, dass sie ihren Hunden eine sinnvolle Arbeit geben wollen. Der überwiegende Teil der Rassen sind Hütehunde, die eine Aufgabe brauchen. Aber nicht jeder der Hunde ist für jede Aufgabe ausgebildet. Die Disziplinen lauten Flächensuche, Trümmersuche und Mantrailing. „Am häufigsten ist bei uns die Flächensuche”, sagt Maksel. Auch Trümmerhunde müssen eine besondere Ausbildung absolvieren. „In Deutschland kommt Trümmersuche ja nicht so häufig vor”, sagt Kohlrausch. Der BHR, der bundesweit rund 80 Staffeln umfasst, kommt aber auch im Ausland zum Einsatz. In dem BRH-Auslands-Kader ist derzeit kein Göttinger gelistet.
Eine Übung, die die Göttinger Flächensuchhunde im Stadtwald bei Herberhausen trainieren, ist die „Voran”-Suche. Der Hund muss auf geradem Weg direkt zur gesuchten Person laufen und dann anhalten und „verbellen“. Das heißt, lange und oft bellen – bis der Hundeführer ihn im Wald gefunden hat. Häufig werden vermisste Personen ja im Dunkeln gesucht, dann können schon mal 250 Beller sein, erklärt Kohlrausch.

Marion Dörntes weiße Schäferhündin Ayla ist bereits ein geprüfter Rettungshund. „Jedes Jahr muss ein zugelassener Rettungshund wieder zur Prüfung”, erklärt Dörnte. Ayla wird nun angezogen – sie trägt ein Geschirr mit einer Glocke und der Aufschrift „Rettungshund”, dann geht es los. Das Tier kann es kaum erwarten. Im Wald, in einem kleinen Steinbruch, versteckt sich Jennifer Maksel. Ayla soll sie finden. Geübt wird die Lage „suizidale Person, weiblich, seit zwei Stunden abgängig”. Gesucht wird immer im Dreierteam, bestehend aus Hundeführer, Hund und Suchtrupphelfer. Die beiden Frauen gehen zügig los, Ayla zieht mal links, mal rechts vom Weg ihre Schleifen durch den Wald. Nach 15 Minuten und etwa einem Kilometer Strecke hat die Hündin Maksel gefunden. Es gibt eine kleine Belohnung und Ayla freut sich noch mehr. „Etwa drei Jahre dauert diese Ausbildung”, sagt Dörnte. Weniger quirlig aber mit einer genauso guten Nase ausgestattet ist Schwergewicht Cooper. Der einzige Mantrailer der Gruppe. Ein 60-Kilo-Bull-Mastif mit dringendem Schmusebedarf. Noch ist der Rüde von Lorenz Maring in der Ausbildung. Beim Mantrailing bleiben die Hunde an der Leine und suchen gezielt die Spur des Vermissten. Dazu bekommt er eine Schnüffelprobe – so wie es im TV häufig zu sehen ist. Karin Leitners Haargummi in einer Plastiktüte dient als Probe und schon marschiert Cooper los. Immer der Nase und der Spur nach, die Leitner gerade hinterlassen hat. Es dauert nur wenige Minuten, dann hat Cooper sie gefunden. „Menschen hinterlassen bei jedem Schritt kleine Schuppen”, erklärt Maring. Tagelang können Mantrailer-Hunde deshalb die Wege der Vermissten erschnüffeln. „Im Idealfall kommen zuerst Mantrailer und dann Flächenhunde zum Einsatz”, erklärt Kohlrausch.

Die Arbeit der Hundeführer ist ehrenamtlich. Wer dort mitmachen möchte, muss sich und seinen Hund einem Casting unterziehen. Trainiert wird mehrmals in der Woche, das Vereinsgelände liegt in Potzwenden. Dort wird am 22. September das zehnjährige Bestehen der Staffelt gefeiert.

Authored by: Blick Redaktion