Aus Holz: Ein Studentenwohnheim nach dem Baustein-Prinzip
Prof. Jörg Magull bedankte sich bei seiner Rede bei allen am Bau Beteiligten.

Aus Holz: Ein Studentenwohnheim nach dem Baustein-Prinzip

Richtfest für das neue Studentenwohnheim „Lutterterrasse“ des Studentenwerks Göttingen am Nordcampus: Bis zu 264 Studierende sollen hier von Anfang 2020 an wohnen. Das Besondere ist ein neuartiges Wohnmodulsystem.

Nagetiere waren das letzte Problem, danach ging alles ganz schnell: „Die Feldhamster wurden im Mai noch mal einzeln beguckt, und im Juni kamen die ersten Holzboxen aus Kalwang in Österreich“, sagte Jörg Magull, Geschäftsführer des Studentenwerks, beim Richtfest. Genauer gesagt, gab es bis zum 13. Juni lediglich eine Bodenplatte – mittlerweile fehlt nur noch ein kleiner Baustein auf der Südseite. Bis Dezember sollen Stromversorgung und Treppen fertiggestellt sein, dann ist ein Neubau in rekordverdächtiger Zeit so gut wie beendet.

„Es ist optimal gelaufen, auch weil sehr schnelle und sehr faire Entscheidungen getroffen wurden“, sagte Christian Kaufmann, Geschäftsführer des beauftragten Generalunternehmers. Das österreichische Unternehmen Kaufmann Bausysteme hatte im Prinzip zwei Baustellen zu betreuen: In Kalwang wurden die Wohnmodule gefertigt und in Göttingen verbaut. „Alle Module waren fertig durchnummeriert, teilweise kamen sechs pro Tag an“, berichtete Magull.

Tobias Manzke vom Stuttgarter Architekturbüro LIMA architekten hob hervor, dass das Wohnheim ein in Deutschland „neuer und zukunftsweisender Ansatz, eine ganz besondere Bauweise“ sei. Dabei entspricht das Erdgeschoss einem konventionellem Bau in Betonbauweise, das Modulsystem einem Holzmassivbau. „Die Nachhaltigkeit ist gerade bei Studierenden ein wichtiges Thema“, unterstrich Magull.

Ins Rollen kam das Projekt schließlich durch einen Tausch mit der Universität: „ein Stück Wiese gegen die Mensa am Wilhelmsplatz“, so Magull, der in diesem Zusammenhang die Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel begrüßte. Mit der Feldhamsterpopulation beschäftige sich das Studentenwerk als Bauherr seit 2012, 2016 folgte der Architektenwettbewerb.
„Es war ein im wahrsten Sinne des Wortes geräuschloser und schneller Bau“, sagte die Stiftungsratsvorsitzende Beisiegel. „Junge Menschen wählen heute den Studienort nicht mehr nur nach der Universität, sondern auch nach dem Environment, zum Beispiel der Wohnsituation aus“, ergänzte sie. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass der Bau am Nordcampus erfolgt sei. Für ihren „letzten offiziellen Akt“ (Magull) im Amt der Uni-Präsidentin erhielt Beisiegel vom Studentenwerks-Chef einen Blumenstrauß.

Im Hinblick auf die Brandgefahr bei einem Modulsystem aus Holz gab Architekt Thomas Welzel vom Gebäudemanagement des Studentenwerks Entwarnung. Das Projekt sei zusätzlich von einem Brandschutzsachverständigen betreut, sogenannte „Abbrandfaktoren“ seien bewertet worden. Resultat: „Es ist nicht gefährlicher, hier zu wohnen, sondern weniger gefährlich.“

Sämtliche 264 Zimmer sind möbliert, erläuterte Magull beim anschließenden Rundgang – die Nachfrage nach möblierten Zimmern steige momentan stark an. Sie kämen ausländischen, aber auch Bachelor-Studenten entgegen, ergänzte Welzel. „Wenn ich drei Jahre lang irgendwo studiere, nehme ich keinen Hausstand, sondern nur Besteck mit.“ war

Authored by: Blick Redaktion