Das Gebhards: Wo Keanu Reeves, Tokio Hotel und Präsidenten speisen
Neuer Küchenchef im Traditionshotel Gebhards: Timo Zutz (Mitte) mit Ehepaar Carola und Achim Albes. / Peter Heller

Das Gebhards: Wo Keanu Reeves, Tokio Hotel und Präsidenten speisen

Göttingen.  ​Albert Einstein und Keanu Reeves, Gerhard Schröder, Udo Jürgens und die Kaulitz-Brüder von Tokio Hotel: Sie alle haben hier übernachtet. Keine andere gastronomische Adresse in der Region hat so viel Prominenz erlebt wie das Göttinger Hotel Gebhards. 

Seit 1854 können Gäste an der Goetheallee 22 übernachten. Statt einer internationalen Kette führt dort seit mehr 60 Jahren die Familie Albes das Unternehmen. Carola und Achim Albes sind heute in einem Alter, in dem andere längst ihren Ruhestand genießen. Die beiden Hoteliers führen ihr Haus  in die Zukunft: Ein neuer Koch hat Küche und Karte übernommen. Timo Zutz ist 30 Jahre alt und neuer Küchenchef in Göttingens ältestem Hotel. 

Dunkles, mit Schellack überzogenes Holz, grüne Lederbezüge, silberne Lampen mit Löwenkopf, dezentes Licht. Wer ins Hotel Gebhards tritt, lässt den hektischen, grellen Alltag nach wenigen Stufen hinter sich und tritt ein in das Romantikhotel.

Die Georgia-Augusta-Stuben, das Restaurant des Hauses, sind wohl weit und breit das einzige Restaurant, in dem der Gast sein Rösti am Platz noch vorgelegt und die Forelle am Tisch filetiert bekommt. „Das lernt heute ja kaum noch jemand in der Ausbildung”, sagt Zutz. Der langen Tradition des Hauses ist sich der junge Koch bewusst. Dennoch – oder gerade deshalb – verleiht er den bürgerlichen Gerichten seine eigene Handschrift. Ein moderner Wind weht durch die Stube, ohne die guten Dinge hinwegzufegen. „Natürlich bleiben das Wiener Schnitzel und die Ente unangetastet”, sagt Zutz. Dafür stehe das Gebhards, daran werde nicht gerüttelt. Als Vorspeise wird heute aber ebenso eine Wassermelonen-Paprika-Gazpacho wie eine Tafelspitzconsommé mit Grießnocken angeboten. Den Einkauf erledigt Zutz meist selbst. Auf dem Göttinger Wochenmarkt – dort, wo dieser Abschnitt seiner Karriere begann. „Über ein Gespräch dort bin ich mit Familie Albes in Kontakt gekommen”, erzählt er. 

Er hat zuvor drei Jahre lang in Österreich bei Simon Taxacher in einem der besten Restaurants des Landes gekocht, hat im Hotel Dorchester in London Traditionsküche gelernt und auf der MS Europa die Gäste verwöhnt. Irgendwann war klar: „Ich möchte wieder in Göttingen leben”, sagt der 30-Jährige. Er kehrt in seine Heimat zurück, kochte im Schillingshof in Groß Schneen und nun im traditionsreichsten Hotel der Stadt. 

Das Gebhardsche Wiener, das genoss auch schon Hollywood Schauspieler Keanu Reeves. „Unser erster Gast, das war Bundespräsident Theodor Heuss”, erinnert sich Carola Albes. 1959 hat sie mit ihrem Mann das Hotel, das dessen Mutter Friedl gekauft hatte, übernommen. Das Haus sei, nachdem es als Lazarett dienen musste, „runtergekommen” gewesen. Nach dem Krieg hätten die Briten so alles, was nicht niet- und nagelfest gewesen sei, demontiert, sagt Achim Albes.Für Heuss wurden schnell noch die Gänge geweißt. „Fast alle Bundespräsidenten waren hier”, sagt Achim Albes. Roman Herzog war einst die Eskorte abhanden gekommen, Johannes Rau spielte ein „Blatt” an Tisch 21. „Er liebte Skat.“ Reeves genoss Rotwein und Schnitzel, die Jungs von Tokio Hotel futterten Pommes. Albert Einstein war zu Gast, um mit Hilpert über die Relativitätstheorie zu diskutieren, die Trauerfeier für Nobelpreisträger Otto Hahn wurde im Gebhards ausgerichtet, und Udo Jürgens sollte einer barbusigen Göttingerin ein Autogramm gleich auf die Haut geben. Viele Gästebücher und vor allem die Erinnerungen der Hoteliersfamilie zeugen von einer hohen Gastgeber-Kultur und einem einzigartigen Stück Stadtgeschichte.

Von Britta Bielefeld

Authored by: Blick Redaktion