Die Försterin vom Göttinger Stadtwald
Stadtwald-Försterin Lena Dzeia mit ihrem Hund Paloma. / Niklas Richter

Die Försterin vom Göttinger Stadtwald

Göttingen.Viele der stattlichen Buchen im Göttinger Stadtwald sind mehr als 120 Jahre alt. Die Hüterin des Holzes ist 34 Jahre alt und seit einem knappen Jahr im Amt. Lena Dzeia ist Leiterin des Fachbereichs Stadtforst der Göttinger Verwaltung. Sie ist auch ohne Hut und Lodenmantel Försterin durch und durch. Und sie macht sich Sorgen um die Zukunft des Waldes. 

Mit Paloma unter Männern

Ihr Vorgänger, so erzählt sie, hat sich vor allem dafür stark gemacht, einen naturnahen Wald zu schaffen. „Heute geht es darum, wie wir den Wald erhalten können”, sagt sie. Dzeia spricht vom Göttinger Wald als „die Klimaanlage der Stadt”. Unter den schattenspendenden Kronendächern der Bäume sei es, im Vergleich zu einer Freifläche, im Sommer bis zu neun Grad kühler. Sie sei gerne draußen. Ihr Job: männerdominiert. Damit habe sie keine Probleme, sagt sie, im Gegenteil. Ihr Hauptbüro liegt auf dem Bauhof der Stadt. Paloma, ihre Dalmatinerhündin, liebe die Männer in Orange, und Dzeia selbst schätzt die Kollegen ebenso. 

Die Forstamtsleiterin  hat im Jahr 2004 in Göttingen an der Fakultät für Forstwissenschaften ihr Studium aufgenommen, auch ihr Mann arbeitet in der forst- und landwirtschaftlichen Branche. Gemeinsam leben sie mit Pferden und Hund auf dem Dorf. Paloma, die junge, braungefleckte Hündin, begleitet sie beim Ausritt und zur Arbeit. „Ich wollte immer in den Wald, weil ich den Wald liebe“, sagt die Frau mit den dichten blonden Locken. Und das, obwohl sie in Bochum aufgewachsen ist. Nach dem Abitur sei ihr Berufswunsch Journalismus gewesen, dann fiel die Entscheidung aber doch auf das grüne Fach. „Ein Förster, der kann alles, nur nicht operieren“, sagt Dzeia und lacht. Ganz falsch ist das ja nicht, ob Kettensäge, Käfer, Kraut oder Jagdgewehr:  Das alles kommt in ihrem Alttag vor. 

Dzeia erinnert sich an den Käferkasten, den sie im Studium anfertigen musste. Weil sie die Tiere selbst nicht umbringen wollte, um sie später aufzuspießen, überließ sie diesen Job der heimischen Kühltruhe. Aber eben nur diesen. „Ich wollte nicht mehr auswendig lernen, ich wollte immer arbeiten“, sagt die Försterin. „Holzeinkauf, Sägeindustrie, das alles hat mich total interessiert.“ Ihr Referendariat aber absolvierte sie im Forstamt Reinhausen. Der Region blieb sie treu, sie lebt heute in der Gemeinde Gleichen. Dort haben im vergangenen Jahr zuerst ein Sturm und dann im Sommer die Trockenheit und ein starker Borkenkäferbefall massive Schäden im Wald hinterlassen. Vor allem die Nadelbäume waren diesem Stress nicht gewachsen, viele mussten im vergangenen Jahr gefällt werden. Der Göttinger Wald besteht zwar überwiegend aus Laubbäumen. „Die Buche läuft dem aber zeitlich hinterher”, erklärt Dzeia. 

In diesem Sommer trifft das Baumsterben auch die Laubholz- Bestände. „Das Grundwasser reicht nicht aus, die Buche vertrocknet auf den Kalkrücken“, sagt sie. Auf den Höhenlagen des Göttinger Waldes sei das bereits zu sehen. „Heute ist die Frage nicht mehr, wie wir den Wald bewirtschaften können, sondern wie wir ihn erhalten.“ Der Stress für die Bäume reiße nicht ab. Ob Borkenkäfer oder Eichenprozessionsspinner, viele Baumarten seien gefährdet. „Wir sind quasi auf der Suche nach dem Wunderbaum, nach der Art, die es schafft.“

Der Wald erfülle für die Stadt die Aufgabe einer Klimaanlage. Nicht nur Dzeia, auch viele Göttinger lieben den Stadtwald. Ob Kehr, Kerstlingeröder Feld oder Mackenröder Spitze: Der kühle Wald ist das größte Naherholungsgebiet der Stadt.

Von Britta Bielefeld

Authored by: Blick Redaktion