Geschützter Eremit bringt Stadthallen-Sanierung ins Stocken
Selten und streng geschützt: Juchtenkäfer, gesichtet im Juli 2019 im Alten Botanischen Garten Göttingen. / BSG Göttingen

Geschützter Eremit bringt Stadthallen-Sanierung ins Stocken

Göttingen. ​Er hat schon zu einem Baustopp beim Bau des umstrittenen Bahnhofs Stuttgart 21 geführt: der extrem seltene Juchtenkäfer, auch Eremit genannt. Seit den 80er-Jahren wurde in der Stadt Göttingen kein Exemplar mehr gesehen. Jetzt wurden zwei gefunden. 

Der Eremit ist ein Käfer aus der Gattung der Blatthornkäfer (Scarabaeidae), Unterfamilie Rosenkäfer. Das daumengroße Tier wird auf der Liste der FFH-Richtlinie, einer Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union, als „prioritäre Art“ eingestuft. Damit steht er unter besonders strengem Schutz. 

Die Tiere sind selten, im Landkreis Göttingen wurden aber bereits einzelne gefunden, beispielsweise im Bereich des Einzelberges in Groß Schneen. Der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) registriert die Nachweise. 

Den ersten Käfer seit vielen Jahren im Stadtgebiet fanden im Juli zwei Mitglieder der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen (BSG), nämlich Bettina Marth und Marlit Danilschenko im Alten Botanischen Garten. Kurz darauf machte sich der Biologe Fionn Pape, ebenfalls von der BSG, auf die Suche. Auch er wurde fündig, auf dem Weg zwischen Deutschen Theater und Botanischem Garten. Dort sammelte er ein zertretenes Exemplar auf. „Der Nachweis der Art ist schon recht sensationell und für den lokalen Naturschutz relevant“, sagt Pape. Die Naturschützer meldeten ihren Funde der Unteren Naturschutzbehörde in Göttingen und dem NLWKN. „Die Meldung über den Fund eines Juchtenkäfer-Exemplars ist bei der Unteren Naturschutzbehörde eingegangen”, bestätigt der Sprecher der Stadtverwaltung, Dominik Kimyon. Im Baumkataster der Stadt seien die Bäume im Fundbereich als „potenzielle Habitate” gekennzeichnet worden. „Wir werden uns das demnächst mit einem Käferspezialisten genauer anschauen“, so Kimyon. Laut der FFH-Richtlinie sind Gebiete, in denen das Tier vorkommt, als Schutzgebiet auszuweisen. Vor allem die Brutbäume gilt es zu schützen. Die Brutbäume der Käfer konnte Pape bislang noch nicht identifizieren. „Es kommen aber insbesondere die alten Linden auf dem Wall und die alten Platanen im Botanischen Garten in Betracht“, so der Biologe.

Von Britta Bielefeld

Authored by: Blick Redaktion